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Gkc25-Session: "Hätte ich das nur früher gewusst!" – Wissensmanagement im Studium

Aus GfWM Wiki
"Hätte ich das nur früher gewusst!" – Wissensmanagement im Studium
Art Barcamp-Session
KnowledgeCamp KnowledgeCamp 2025
Sessiongebende David Lohner, Jonathan D. Geiger


Datum 23.10.2025
Zeit 17:00 bis 17:45 Uhr
Sprache Deutsch
Aufzeichnung YouTube
Im Programm Programm
KI-Unterstützung GPT-6.1 Sol

Aus dem Veranstaltungsprogramm:

Die GfWM-Fachgruppe "Wissens- und Innovationsmanagement" hatte zu dieser Handreichung erste Bedarfe auf dem gkc2024 erhoben – nun ist sie endlich da! Wir freuen uns auf die Präsentation der Ergebnisse und auf das Feedback aus der Community. Eine Vorbereitung auf die deutschsprachige Session ist nicht notwendig! Kommt gerne einfach vorbei, wenn ihr euch eine solche Handreichung für euer Studium auch schon gewünscht hättet.

ZusammenfassungZusammenfassung

David Lohner und Jonathan D. Geiger stellen eine nahezu fertiggestellte Handreichung zum Wissensmanagement im Studium und in der Promotion vor. Sie soll einen niedrigschwelligen, modularen Zugang zu Notiz- und Literaturverwaltung, Recherche, Ideenfindung, Lernorganisation und Wissensarbeit in Gruppen ermöglichen. Die anschließende Diskussion prüft insbesondere den Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten zum wissenschaftlichen Arbeiten, die Ansprache unterschiedlicher Studienphasen und geeignete Veröffentlichungsformate. Das Feedback liefert konkrete Anregungen für Anwendungsbeispiele, zusätzliche Zielgruppenperspektiven und eine mögliche Weiterentwicklung über das PDF hinaus.

Aufbau und Arbeitsstand der SessionAufbau und Arbeitsstand der Session

Die Session knüpft an eine Veranstaltung auf dem KnowledgeCamp im Vorjahr an, in der die Handreichung vorbereitet worden war. Geiger eröffnet mit einer Vorstellung der Fachgruppe und ihres Arbeitsfeldes. Lohner erläutert anschließend den Bedarf, die Auswahl der Themen und die gemeinsame Modulstruktur. Danach zeigen die beiden den aktuellen PDF-Entwurf anhand seiner Gliederung und eines inhaltlichen Kapitels.

Der Fertigstellungsgrad wird zu Beginn mit über 90 Prozent angegeben. Der Entwurf ist damit weit genug entwickelt, um ihn vorzustellen, aber ausdrücklich noch offen für Rückmeldungen. Ungefähr zur Hälfte der Session beginnt die Plenumsdiskussion. Sie nimmt Fragen zur Abgrenzung, zu Zielgruppen und zur praktischen Nutzung auf. Zum Abschluss stehen mögliche Ergänzungen durch verbreitete Notiz-Apps und die Auswirkungen von KI im Mittelpunkt.

Die Session dient somit nicht nur der Präsentation eines Ergebnisses, sondern auch der Prüfung seiner Ausrichtung vor der Veröffentlichung.

Wissensmanagement in die Wissenschaft übertragenWissensmanagement in die Wissenschaft übertragen

Die GfWM-Fachgruppe „Wissens- und Innovationsmanagement in der Wissenschaft“ möchte Methoden, Erfahrungen und Werkzeuge aus der Wissensmanagement-Community in wissenschaftliche Arbeitskontexte übertragen. Geiger grenzt diesen Auftrag von der wissenschaftlichen Erforschung des Wissensmanagements ab.

Das Arbeitsfeld umfasst neben Studium und Promotion auch forschungsnahe Institutionen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie die GLAM-Bereiche: Galleries, Libraries, Archives and Museums. Die Fachgruppe möchte deren Bedarfe sichtbar machen und passende, niedrigschwellige Angebote unterstützen.

Als Herausforderung beschreibt Geiger die Bedingungen wissenschaftlicher Projekte: Selbst Projektmanagementstellen seien nicht selbstverständlich; Wissensmanagement werde häufig nebenbei erwartet. Projektwechsel, ausscheidende Mitarbeitende und hohe Personalfluktuation erschwerten den Umgang mit Wissen zusätzlich. Die Handreichung ist ein konkretes Vorhaben innerhalb dieses breiteren Auftrags, nicht dessen alleiniger Schwerpunkt.

Bedarf an persönlichem WissensmanagementBedarf an persönlichem Wissensmanagement

Lohner betont, dass Wissensmanagement nicht nur eine organisationale Aufgabe ist. Auch Einzelpersonen können ihren Umgang mit Wissen systematisch entwickeln. Besonders die Promotion wird als stark selbstgesteuerte Arbeitsphase beschrieben, die hohe Anforderungen an das persönliche Wissensmanagement stellt.

Aus Workshops, Graduiertenschulen, Lehrveranstaltungen und Konferenzen berichten die Vortragenden von wiederkehrendem Orientierungsbedarf. Viele Fähigkeiten würden an Hochschulen vorausgesetzt, ohne ausdrücklich vermittelt zu werden. Hier soll die Handreichung erste Schritte anbieten.

Dabei geht es nicht allein darum, Quellen korrekt zu zitieren. Die angesprochenen Fragen reichen von der Organisation eigener Notizen über die Entwicklung von Texten bis zur Verknüpfung von Wissen aus unterschiedlichen Fächern oder Semestern. Trotz disziplinspezifischer Unterschiede sehen die Vortragenden viele gemeinsame Anforderungen.

Lohner verweist auf Rückmeldungen aus Workshops zur digitalen Notizvernetzung: Teilnehmende hätten sich gewünscht, diese Arbeitsweisen bereits im Bachelorstudium kennengelernt zu haben. Diese Erfahrungen bilden einen wesentlichen Ausgangspunkt des Projekts.

Modulare Orientierung statt vollständigem LehrbuchModulare Orientierung statt vollständigem Lehrbuch

Die Handreichung wurde über das zurückliegende Jahr erarbeitet. Ihre Themenauswahl entstand zunächst aus den Arbeitsfeldern und Kompetenzen der Fachgruppenmitglieder. Ziel ist keine vollständige Darstellung aller relevanten Methoden, sondern eine schnelle Orientierung.

Leserinnen und Leser sollen das Dokument nicht zwingend von Anfang bis Ende durcharbeiten. Stattdessen können sie gezielt die Module aufrufen, die zu einem aktuellen Bedarf passen. Die möglichst einheitliche Struktur umfasst:

  • Kurzbeschreibung und Ziele;
  • benötigte Fähigkeiten;
  • Methoden und Werkzeuge;
  • eine Zusammenfassung;
  • weiterführende Literatur und Weblinks.

Die vorgestellten Themen betreffen Notizverwaltung mit Obsidian, Literaturverwaltung mit Zotero und Citavi, Recherche, Ideenfindung, Lernorganisation sowie Wissensarbeit in Gruppen. Überschneidungen zwischen Modulen, etwa bei der Verschlagwortung von Literatur und Notizen, wurden möglichst reduziert.

Bei der Präsentation nennt Lohner einen Umfang von 42 DIN-A4-Seiten; in der weiteren Diskussion wird mehrfach von rund 50 Seiten gesprochen. Trotz des angestrebten knappen Zugangs ist also ein umfangreicheres Dokument entstanden. Die Navigation über die PDF-Gliederung soll den punktuellen Zugriff erleichtern.

Werkzeugauswahl zwischen Zugänglichkeit und PflegeaufwandWerkzeugauswahl zwischen Zugänglichkeit und Pflegeaufwand

Die Fachgruppe diskutierte, welche konkreten Werkzeuge sie nennen sollte. Dabei wurden verbreitete kommerzielle Angebote ebenso erwogen wie Open-Source-Werkzeuge und kostenfreie Nutzungsmöglichkeiten. Ein wichtiges Anliegen war, den Zugang nicht unnötig durch Bezahl- oder Lizenzschranken einzuschränken. Datenschutzfragen wurden ebenfalls berücksichtigt; Open Source wurde dabei nicht als automatische Lösung aller Bedenken dargestellt.

Lohner sieht in knappen, konkreten Werkzeughinweisen einen möglichen Mehrwert der Handreichung. Hochschulen könnten Empfehlungen teilweise nur für Angebote aussprechen, die sie selbst bereitstellen und unterstützen. Das begrenze mitunter die Auswahl.

Zugleich benennt er eine Folge der konkreten Empfehlungen: Sie müssen bei künftigen Überarbeitungen aktuell gehalten werden. Die Werkzeugauswahl ist damit nicht nur eine redaktionelle Entscheidung für die erste Fassung, sondern auch eine längerfristige Pflegeaufgabe.

Mehrwert gegenüber wissenschaftlichem ArbeitenMehrwert gegenüber wissenschaftlichem Arbeiten

Eine zentrale Rückfrage aus dem Publikum betrifft die große Überschneidung mit Einführungen in wissenschaftliches Arbeiten, Arbeitstechniken und persönliches Wissensmanagement. Peter fragt, warum Lehrende ihren Studierenden zusätzlich diese Handreichung empfehlen sollten.

Die Vortragenden beanspruchen keine grundsätzlich neuen Methoden. Geiger erklärt vielmehr, dass sie die Inhalte in dieser Zusammenstellung und mit dieser Struktur nicht vorgefunden hätten. In seinen eigenen Kursen zum wissenschaftlichen Arbeiten habe beispielsweise Notizmanagement keine Rolle gespielt. Die recherchierte Literatur zum persönlichen Wissensmanagement sei wiederum häufig auf unternehmerische Kontexte ausgerichtet und nicht ohne Weiteres auf Studierende übertragbar gewesen.

Als Mehrwert nennen sie:

  • die Bündelung relevanter Methoden und Werkzeuge an einem Ort;
  • kurze, einzeln nutzbare Kapitel und eine direkte Ansprache;
  • Begriffe, mit denen Interessierte gezielt weiterrecherchieren können;
  • Hinweise auf Angebote, die vorhanden sind, aber nicht immer wahrgenommen werden.

Zugleich bleibt die Grenze deutlich: Die Handreichung soll weder ein Curriculum noch praktische Erfahrung und individuelles Feedback ersetzen. Aus dem Publikum wird besonders betont, dass das Eingrenzen wissenschaftlicher Fragen im Austausch mit Lehrenden erlernt werden müsse.

Wissensarbeit in Gruppen und unterschiedliche StudienphasenWissensarbeit in Gruppen und unterschiedliche Studienphasen

Benjamin fragt, ob die Handreichung über die individuelle Ebene hinausgeht. Gerade die sozialen Aspekte des Umgangs mit Wissen seien eine besondere Stärke des Wissensmanagements. Die Vortragenden verweisen auf das Modul „Wissensarbeit in der Gruppe“. Es soll Formate und Werkzeuge für gemeinsames Arbeiten anbieten und unterschiedliche Möglichkeiten aufzeigen, da nicht jedes Format zu jedem Studiengang oder Personenkreis passt.

Auch die Zielgruppe wird diskutiert. Im Blick stehen Personen im Hochschulkontext, ausdrücklich einschließlich Promovierender. Lohner hält die späte Masterphase und die Promotion für besonders geeignete Anknüpfungspunkte: Der Nutzen systematischer Arbeitsweisen werde dort häufig deutlicher, und eine neue Arbeitsphase biete Gelegenheit zur Veränderung.

Peter widerspricht einer zu starken Konzentration auf fortgeschrittene Studierende. Auch Bachelorstudierende benötigten effiziente Arbeitsweisen, insbesondere bei paralleler Erwerbstätigkeit und hoher zeitlicher Belastung. Die Vortragenden erkennen darin einen wichtigen Hinweis: Ihre Perspektive sei bislang stark durch Geistes- und Sozialwissenschaften an Universitäten geprägt. Zusätzliche Rückmeldungen aus Fachhochschulkontexten könnten diese Sicht erweitern.

Konkrete Anwendungsfälle und bessere ZugängeKonkrete Anwendungsfälle und bessere Zugänge

Ein Diskussionsbeitrag schlägt vor, stärker nach Studienphasen und Lebenszyklus zu differenzieren. Studienanfängerinnen und Studienanfänger könnten zunächst einen Überblick über Handlungsfelder benötigen; bei Abschlussarbeiten würden dagegen konkrete Recherche-, Reflexions- und Organisationsaufgaben wichtig.

Als mögliche Anwendungsfälle werden genannt:

  • über mehrere Semester Ideen für spätere Abschlussarbeiten sammeln;
  • frühere Lerninhalte in späteren Modulen schnell wiederfinden;
  • berufliche Perspektiven, Organisationen und Erfahrungen aus Exkursionen dokumentieren;
  • Wissen über die eigene Fachdisziplin schrittweise vernetzen;
  • gemeinsame Arbeitsumgebungen in Gruppen übersichtlich gestalten.

Angeregt werden außerdem authentische Good Practices, etwa Videos zur Organisation eines Studiums mit Obsidian oder Notion und zur Gruppenarbeit mit einem Miro-Board. Die Vortragenden begrüßen die Idee, weisen aber darauf hin, dass dafür Personen ihre tatsächlichen Arbeitsweisen teilen müssten.

Auch ein dynamischer Zugang, beispielsweise eine Mindmap mit verlinkten Unterseiten, wird vorgeschlagen. Er könnte die Orientierung gegenüber einem längeren PDF erleichtern.

Veröffentlichung, Feedback und offene WeiterentwicklungVeröffentlichung, Feedback und offene Weiterentwicklung

Für die erste Veröffentlichung ist das PDF vorgesehen. Die Vortragenden planen, es zeitnah auf Zenodo bereitzustellen. Sie räumen zugleich ein, dass ein längeres PDF allein nur begrenzt Studierende erreichen dürfte. Aufwendigere Vermittlungsformen, etwa kurze TikTok-Videos zu jedem Modul, waren angesichts der verfügbaren Ressourcen nicht praktikabel.

Eine browserbasierte Wiki-Struktur bleibt eine Option. Sie könnte einzelne Module direkt verlinkbar machen und gezielten Zugriff unterstützen. Das neue GfWM-Wiki wird als möglicher Ort angesprochen, ohne dass bereits eine Entscheidung vorliegt.

Vor der Veröffentlichung wird nicht nur Korrektur gelesen, sondern in Forschungskolloquien und anderen erreichbaren Kontexten inhaltliches Feedback gesammelt. Die Vortragenden benennen die Einschränkung, dass Rückmeldungen aus dem eigenen Umfeld einen Bias enthalten können. Ein angekündigter Einsatz in einem Vorlesungsblock der DHBW könnte zusätzliche Perspektiven eröffnen.

Zum Schluss erwägt Lohner, verbreitete handschriftliche Notiz-Apps auf Tablets einzubeziehen. Unbekannte Verlinkungsfunktionen solcher Werkzeuge könnten für Wissensmanagement nützlich sein; ihre Vermittlung würde allerdings stärker in Richtung Technikschulung führen.

Ein weiterer Beitrag stellt angesichts von KI-Nutzung veränderte Lern- und Notizpraktiken zur Diskussion. Die Vortragenden formulieren dazu keine abschließende Einschätzung. Sie wollen die Entwicklung beobachten und die versionierte Handreichung bei Bedarf anpassen und erweitern. Die Session endet mit Dank für die konkreten Rückmeldungen und Anregungen.

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