Gkc26-Session: Wissen über eine Welt jenseits des Machbaren („Simons Welt“)
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Diese Seite ist KI-generiert. Sowohl die Zusammenfassung als auch das zugrundeliegende Transkript der Videoaufzeichnung wurden mithilfe von KI erstellt.
| Wissen über eine Welt jenseits des Machbaren ("Simons Welt") | |
|---|---|
| Art | Barcamp-Session |
| KnowledgeCamp | KnowledgeCamp 2026 |
| Sessiongebende | Bernhard Ritzenhoff
|
| Datum | 09.10.2026 |
| Zeit | 14:00 bis 14:45 Uhr |
| Raum | PMG Media4AI (3.OG) |
| Sprache | Deutsch
|
| Im Programm | Pretalx |
| KI-Unterstützung | Whisper large-v3 (Transkription), gpt-6.1-sol (Redaktion) |
Aus dem Veranstaltungsprogramm:
Wie wird sie aussehen diese Welt? Was wird wichtig? Wie stellen wir uns? Es geht also nicht um Transfer/Erhalt - Übertragung -> Neues Wissen schaffen -> neue Aufgabe für GfWM - Wissen schaffen gemeinsam
Zusammenfassung
Die Barcamp-Session „Wissen über eine Welt jenseits des Machbaren ("Simons Welt")“ von Bernhard Ritzenhoff stellte die Frage, wie Menschen angesichts leistungsfähiger künstlicher Intelligenz künftig zusammenleben wollen. Im Mittelpunkt stand nicht die Optimierung einzelner Arbeitsprozesse, sondern die gesellschaftliche Bedeutung möglicher Produktivitätsgewinne: Wem gehört eingesparte Zeit? Welche Tätigkeiten erhalten Anerkennung? Wie entstehen Wissen und Orientierung für eine sozial verträgliche Zukunft?
Ritzenhoff verband einen philosophischen Impuls zum Zwischenmenschlichen mit Erfahrungen aus seinem Berufs- und Familienleben. Als Bezugspunkt diente ihm Martin Bubers Dialogverständnis. Seine These war, dass authentische Begegnung, gegenseitige Zuwendung und ein nicht manipulativer Austausch einen eigenen Wert besitzen, der nicht in technischer Machbarkeit oder wirtschaftlicher Effizienz aufgeht.
In der anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Perspektiven eingebracht: mögliche Arbeitsplatzveränderungen, Verteilungsfragen, Selbstwirksamkeit, kritisches Urteilsvermögen, Sorgearbeit und der Wert zweckfreier Beschäftigung. Ein fertiges Zukunftsmodell entstand nicht. Als gemeinsamer Ansatz zeichnete sich ab, Menschen über Generationen und berufliche Grenzen hinweg ins Gespräch zu bringen.
Ausgangspunkt: KI und die Grenzen des Machbaren
Ritzenhoff stellte sich mit seinem Hintergrund in Maschinenbau und Philosophie sowie unterschiedlichen beruflichen Stationen vor. Zuletzt hatte er 22 Jahre bei den Stadtwerken München als Fachexperte für technische Sicherheit gearbeitet. Aus seiner rückblickenden Perspektive seien weniger Zahlen als andere, insbesondere menschliche Zusammenhänge wichtig gewesen.
Der Untertitel „Simons Welt“ bezog sich auf zuvor vorgestellte Möglichkeiten des KI-gestützten Wissensmanagements. Ritzenhoff betonte, dass sein Kontrast dazu keine Abwertung sei. Die beschriebenen Anwendungen seien real und praktisch umsetzbar.
In Anlehnung an den Philosophen Markus Gabriel schilderte er eine Verschiebung der Debatte: Immer wieder würden Fähigkeiten als ausschließlich menschlich betrachtet, bis KI auch dort leistungsfähig werde. Alles, was sich in einzelne Elemente und Muster zerlegen lasse, könne nach seiner zugespitzten These prinzipiell nachgebildet werden. Dazu zählte er auch Sprache, Gesichtsausdruck und persönliche Ausdrucksweisen.
Seine Formulierung, KI könne „alles“, war der bewusst weit gefasste Ausgangspunkt für die weitere Diskussion, nicht das Ergebnis einer technischen Untersuchung. Ritzenhoff wollte die Bedeutung des Menschen nicht allein über jeweils noch bestehende Leistungsgrenzen von KI bestimmen.
Dazu stellte er eine weitere, von ihm Gabriel zugeschriebene Vorstellung vor: Intelligenz müsse nicht ausschließlich als Besitz eines einzelnen biologischen Menschen verstanden werden. Diese Perspektive sollte die enge Gleichsetzung von persönlichem Wissen, Intelligenz und Identität aufbrechen.
Martin Buber und das Zwischenmenschliche
Begegnung als eigene Wirklichkeit
Den philosophischen Kern bildeten Martin Bubers Überlegungen zu den „Elementen des Zwischenmenschlichen“. Ritzenhoff beschrieb das Zwischenmenschliche als etwas Wirkliches, das in einer Begegnung entsteht und nicht auf die Eigenschaften der beteiligten Einzelpersonen reduziert werden kann.
Zur Veranschaulichung erzählte er von einer Kollegin und ihrer früheren Studienfreundin. Nach langer räumlicher Trennung und nur gelegentlichem Kontakt hätten beide bei einem Wiedersehen sehr schnell wieder eine vertraute Verbindung erlebt. Für Ritzenhoff veranschaulichte dies, dass zwischen Menschen ein gemeinsamer Raum entstehen und später erneut erfahrbar werden könne.
Einen solchen Vertrauensraum sah er sowohl zwischen zwei Personen als auch in Gruppen. Gerade darin lag für ihn eine Qualität, die gegenüber den technischen Möglichkeiten von KI eigens betrachtet werden müsse.
Drei Bedingungen für einen Dialog
Ritzenhoff hob drei Bedingungen hervor, unter denen nach seiner Darstellung ein solcher Dialog möglich wird:
- Nicht vorgeben, jemand anderes zu sein: Wer eine Rolle oder ein künstliches Selbstbild aufrechterhalte, erschwere dem Gegenüber die Begegnung mit der tatsächlichen Person. Daraus könnten Verwirrung und Misstrauen entstehen.
- Sich dem Gegenüber zuwenden: Mit dem Begriff der „personalen Vergegenwärtigung“ verband Ritzenhoff die Bereitschaft, die Sprache und Perspektive des anderen verstehen zu wollen.
- Nicht indoktrinieren: Ein Gespräch solle nicht lediglich dazu dienen, den anderen zu einem bereits feststehenden Verhalten zu bewegen.
Den zweiten Punkt erläuterte er anhand einer Sitzung mit Führungskräften. Als kurzfristig einspringender fachlicher Ansprechpartner habe er mehrfach versucht, einen Sachverhalt zu erklären. Verständigung sei erst gelungen, als er die passende Ausdrucksweise für den Geschäftsführer gefunden habe. Er deutete dies als Gegenbild zum dialogischen Zuwenden: Im Machtgefälle habe die Verantwortung für Verständigung allein bei ihm gelegen.
Damit unterschied er einen offenen Dialog von Kommunikation, in der eine Seite die Bedingungen setzt und die andere sich vollständig anpassen muss.
Vom Produktivitätsgewinn zur gesellschaftlichen Frage
Als Beispiel für die Leistungsfähigkeit KI-gestützten Wissensmanagements griff Ritzenhoff einen zuvor von Simon vorgestellten Fall auf. Darin seien Erfahrungen älterer Fachleute zu Fehlern in großen Projekten durch Interviews erschlossen und zu einer umfangreichen Ausarbeitung verdichtet worden. Ritzenhoff verglich dies mit deutlich aufwendigeren Abläufen, die er aus großen Organisationen kannte.
Seine eigentliche Frage lautete jedoch: Was folgt daraus, wenn solche Arbeiten künftig sehr viel schneller erledigt werden können? Mit Blick auf seine Kinder und Enkel fragte er, welche Aufgaben, Einkommensmöglichkeiten und Lebensperspektiven dann entstehen.
Er hielt neue Formen der Verteilung und Besteuerung für notwendig und warnte vor gesellschaftlicher Ausgrenzung. Dies waren seine politischen Schlussfolgerungen aus dem entworfenen Szenario, keine in der Session nachgewiesenen Folgen.
An die im Wissensmanagement Tätigen richtete er die Frage, wie gemeinsam Wissen für eine friedliche und sozial verträgliche Zukunft entstehen könne. Als praktischen Ansatz nannte er generationenübergreifende Gespräche, wie er sie bereits im Unternehmen angestoßen hatte.
Dabei seien unterschiedliche Lebenslagen sichtbar geworden. Jüngere Beschäftigte hätten etwa ihre Entscheidung für eine kürzere Arbeitszeit damit erklärt, dass Wohneigentum in München für sie ohnehin unerreichbar erscheine. Ritzenhoff verstand dies als nachvollziehbare individuelle Entscheidung und zugleich als Hinweis auf eine Lücke zwischen politischen Leistungserwartungen und persönlichen Zukunftsaussichten.
Diskussion: Arbeit, Verteilung und Selbstwirksamkeit
Welche Arbeit verändert sich?
In der Diskussion wurde zunächst die Reichweite des Automatisierungsszenarios hinterfragt. Handwerkliche Arbeit, Wartung und Instandhaltung vor Ort seien anders zu beurteilen als Verwaltungs-, Beratungs- oder Führungsaufgaben. Eine KI könne möglicherweise Anweisungen liefern, aber nicht ohne Weiteres Leitungen freilegen oder Reparaturen ausführen.
Ritzenhoff erkannte diese Unterscheidung an. Zugleich sei er vorsichtig geworden, bestimmte Tätigkeiten grundsätzlich für dauerhaft unersetzbar zu halten. Besonders starke Veränderungen erwartete er bei wissens- und koordinationsbezogenen Aufgaben, wie er sie selbst ausgeübt hatte.
Daneben wurde ein positiveres Gedankenexperiment vorgeschlagen: Wenn gefährliche, belastende oder als sinnlos empfundene Tätigkeiten entfallen könnten, wäre dies auch eine Chance. Entscheidend sei dann, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen die Entlastung stattfinde.
Wem gehört die gewonnene Zeit?
Mehrere Beiträge kritisierten, dass KI überwiegend unter dem Gesichtspunkt höherer Produktivität für Organisationen diskutiert werde. Eine zentrale Gegenfrage lautete, ob Beschäftigte selbst über eingesparte Zeit verfügen könnten – etwa durch eine kürzere Arbeitswoche – oder ob lediglich neue Aufgaben hinzukämen.
Als politische Möglichkeiten wurden unter anderem genannt:
- Sozialabgaben auf KI-Nutzung beziehungsweise Token-Verbrauch;
- eine Vergesellschaftung von KI;
- ein bedingungsloses Grundeinkommen;
- eine stärkere Anerkennung gesellschaftlich notwendiger Arbeit außerhalb klassischer Erwerbsarbeit.
Diese Vorschläge blieben Diskussionspositionen. Ein gemeinsames Maßnahmenpaket oder eine Entscheidung wurde nicht formuliert.
Problemlösen und kritisches Urteilen
Ein weiterer Beitrag fragte nach den Lerngelegenheiten jüngerer Menschen. Wenn Lösungen scheinbar jederzeit auf Knopfdruck verfügbar seien, wo würden dann eigenes Problemlösen, Erfahrungswissen und Selbstwirksamkeit eingeübt? Zugleich wurde vermutet, dass verschiedene Generationen die Frage nach sinnvoll genutzter freier Zeit unterschiedlich beantworten würden.
Daran schloss die Forderung an, Zeitgewinne für kritisches und reflektiertes Urteilsvermögen zu nutzen. Genannt wurden die vertiefte Beschäftigung mit Philosophie, Wissenschaft, Psychologie und Soziologie sowie ein bewussterer Umgang mit KI-Ergebnissen. Dahinter stand die Sorge, plausibel wirkende Ausgaben könnten ungeprüft übernommen werden.
Ritzenhoff ergänzte eine andere Perspektive: Zukunft müsse nicht ausschließlich durch weitere intellektuelle Anstrengung gestaltet werden. Auch Begegnung, Kreativität, Poesie und künstlerisches Tun könnten das Leben vertiefen.
Zeitgewinn bedeutet nicht automatisch Freiraum
Ritzenhoff berichtete, gegen Ende seines Berufslebens häufig Menschen erlebt zu haben, die für neue Modelle und Gedanken kaum noch aufnahmefähig gewesen seien. Ihm ging es darum, wieder Raum für Neugier zu schaffen.
In der Diskussion wurde bezweifelt, dass fehlende Zeit allein die geringe Beschäftigung mit gesellschaftlichen Fragen erkläre. Auch bei nahen und drängenden Themen wie Krieg und Frieden fehle häufig die Auseinandersetzung. Technische Entlastung könne helfen, führe aber nicht zwangsläufig zu größerem Interesse oder Engagement.
Mit Bezug auf Hartmut Rosa wurde außerdem ein Zeitparadox angesprochen: Beschleunigung könne mehr Betriebsamkeit, Daten und Anforderungen erzeugen, statt tatsächlich freie Zeit zu schaffen. KI könne Menschen auch ermöglichen, sich selbst mit zusätzlichen Informationen und Vorhaben zu überladen.
Ein vorgelesener Beitrag aus dem öffentlichen Dienst verdeutlichte ein weiteres Spannungsfeld: Wenn KI am Arbeitsplatz noch nicht erlaubt sei, könne dies einerseits zu einer kritischen Haltung passen, andererseits aber die Sorge auslösen, beruflich den Anschluss zu verlieren.
Sorgearbeit, Gemeinschaft und zweckfreie Tätigkeit
Mehrere Beiträge widersprachen der Vorstellung, künftig könnten sinnvolle Aufgaben ausgehen. Genannt wurden Sorgearbeit, Jugendarbeit, Gemeinschaftsarbeit und andere soziale Tätigkeiten. Das Problem sei eher deren geringe Anerkennung und die Frage, wie Menschen dafür Zeit und materielle Möglichkeiten erhalten.
Unter Bezug auf Frithjof Bergmann wurde vorgeschlagen, neben Erwerbsarbeit und privater Freizeit eine weitere Zeitkategorie für ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement zu denken. Darin könnten sich Sinnsuche, soziale Bedürfnisse und mögliche KI-bedingte Zeitgewinne verbinden.
Gleichzeitig erhielt ausdrücklich auch zweckfreie Tätigkeit Wertschätzung. Nicht alles müsse effizient sein oder ein bestimmtes Ergebnis hervorbringen. Ritzenhoff veranschaulichte dies durch persönliche Erlebnisse: einen berührenden Blickkontakt mit einer Enkelin und das aufmerksame Beobachten eines Flusses. Für ihn verwiesen solche Erfahrungen auf menschliche Qualitäten jenseits der Produktion.
Offene Fragen und Abschluss
Die Session endete ohne festgelegtes Zukunftsmodell. Sichtbar wurden jedoch wiederkehrende Anliegen:
- Technische Leistungsfähigkeit beantwortet noch nicht die Frage nach gutem Zusammenleben.
- Produktivitätsgewinne werfen Verteilungs- und Gestaltungsfragen auf.
- Selbstwirksamkeit, kritisches Urteilen und Neugier benötigen Raum.
- Soziale, kreative und zweckfreie Tätigkeiten besitzen einen Wert jenseits wirtschaftlicher Effizienz.
- Dialog erfordert Aufrichtigkeit, Zuwendung und den Verzicht auf Manipulation.
Ritzenhoffs abschließender Aufruf lautete, Gesprächskreise zu bilden und Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebensbereiche zusammenzubringen: Berufstätige und Ausgeschiedene, Menschen aus Wirtschaft und anderen Bereichen sowie Wissende und Nichtwissende. Solche Begegnungen sollten nicht nur vorhandenes Wissen weitergeben, sondern gemeinsam Orientierung dafür schaffen, wie Zukunft entstehen kann.