Gkc26-Session: Gute Wissens-Interviews kann keine KI führen
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Diese Seite ist KI-generiert. Sowohl die Zusammenfassung als auch das zugrundeliegende Transkript der Videoaufzeichnung wurden mithilfe von KI erstellt.
| Gute Wissens-Interviews kann keine KI führen... Doch! | |
|---|---|
| Art | Barcamp-Session |
| KnowledgeCamp | KnowledgeCamp 2026 |
| Sessiongebende | Simon Didszuweit
|
| Datum | 09.10.2026 |
| Zeit | 13:00 bis 13:45 Uhr |
| Raum | PMG Media4AI (3.OG) |
| Sprache | Deutsch
|
| Im Programm | Pretalx |
| KI-Unterstützung | Whisper large-v3 (Transkription), gpt-6.1-sol (Redaktion) |
Aus dem Veranstaltungsprogramm:
firmenwissen.ai - KI-gestützte Wissenssicherung Demo und Diskussion
Zusammenfassung
In der Barcamp-Session „Gute Wissens-Interviews kann keine KI führen... Doch!“ stellte Simon Didszuweit einen Ansatz zur KI-gestützten Sicherung von Erfahrungswissen vor. Ausgangspunkt war die Frage, ob sich die aufwendige Erhebung durch menschliche Interviewende so unterstützen lässt, dass Wissensträgerinnen und Wissensträger zeitlich flexibel befragt werden können. Das vorgestellte System kombiniert vier KI-Interviewrollen, adaptive Nachfragen und mehrstufige Freigaben. Aus den Gesprächen entstehen unter anderem Wissenslandkarten, handlungsorientierte Know-how-Karten und eine exportierbare Wissensdatei.
Die Diskussion konzentrierte sich auf die Grenzen maschineller Gesprächsführung: fehlende nonverbale Wahrnehmung, die Bedeutung gemeinsamer Visualisierung, Motivation und Vertrauen sowie die Frage, ob KI menschlichen Dialog ersetzen kann. Mehrere Beiträge schlugen hybride Formate vor, in denen eine KI menschliche Wissensgebende, Wissensnehmende und Moderierende unterstützt.
Didszuweit beschrieb das System als einsatzfähig und lud zu kostenlosen Tests ein. Seine Wirksamkeit und Akzeptanz wurden in der Session jedoch nicht durch eine vergleichende Evaluation belegt. Der Ansatz wurde vor allem als möglicher Einstieg in einen anschließenden zwischenmenschlichen Wissenstransfer diskutiert.
Ausgangspunkt: Wissen erschließen statt nur aufschreiben
Didszuweit stellte zwei Vorgehensweisen gegenüber: Die Aufforderung, das eigene Wissen einfach aufzuschreiben, hielt er für unzureichend. Gute Experteninterviews könnten dagegen Erfahrungswissen erschließen, seien aber personal-, zeit- und ressourcenintensiv. Gemeinsam mit seinem Product-Owner-Kollegen Marc habe er deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, diesen ersten Erhebungsschritt zu erleichtern.
Als Leitbilder dienten ihm Laozi und Sokrates. Die von ihm erzählte Laozi-Geschichte stand für den Impuls, vorhandenes Wissen überhaupt festzuhalten. Sokrates’ Hebammenkunst stand für gezieltes Nachfragen, durch das Erkenntnisse beim Gegenüber hervortreten. Entscheidend sei demnach nicht nur, Fragen zu stellen, sondern passende Anschlussfragen zu entwickeln.
Den methodischen Rahmen bezeichnete Didszuweit als Cognitive Task Analysis. Im Mittelpunkt stehe nicht allein, was jemand weiß oder tut, sondern wie die Person in konkreten Fällen entscheidet und warum. Erhoben werden sollen unter anderem Bedingungen, Handlungsschritte, Annahmen, Ausnahmen und Entscheidungsmotive.
Interviewlogik und Ablauf
Vier Rollen hinter einer fragenden Instanz
Die interviewte Person nimmt eine einzige fragestellende Instanz wahr. Dahinter arbeiten nach Didszuweits Darstellung vier KI-Rollen:
- Der Promoter stellt öffnende Fragen und soll das Erzählen erleichtern.
- Der Kommissar prüft Regeln an konkreten Fällen und fragt bei Widersprüchen nach.
- Die Tiefenpsychologin greift Gefühle und persönliche Erfahrungen auf, etwa beim Gelingen oder Scheitern eines Projekts.
- Die Wissensingenieurin achtet auf den Erhebungsprozess und darauf, welche Informationen für das angestrebte Ergebnis noch fehlen.
Die Bezeichnungen sollten die Funktionen verständlich machen, nicht die Systeme vermenschlichen. Alle Rollen erhalten den Gesprächsverlauf und schlagen weitere Fragen vor. Eine übergeordnete KI entscheidet, welche Frage tatsächlich gestellt wird. Didszuweit beschrieb dazu kodierte Einschätzungen und Relevanzbewertungen, erläuterte die Auswahlkriterien aber nicht vollständig.
Die nächste Frage soll sich jeweils aus der Antwort ergeben, statt lediglich einem festen Fragenkatalog zu folgen. Die zugrunde liegende These lautet, dass sich wesentliche Aspekte professionellen Nachfragens in solchen Rollen und Auswahlprozessen abbilden lassen.
Drei Gespräche mit Freigabeschleifen
Vorgesehen sind drei Gespräche von jeweils etwa 90 Minuten. Zwischen ihnen wird der interviewten Person zurückgespiegelt, was das System verstanden hat. Sie kann Inhalte bestätigen, ablehnen oder ändern. Zusätzlich ist eine abschließende Freigabe vorgesehen, bevor Ergebnisse weitergegeben werden.
Didszuweit betonte die Kontrolle der Wissensgebenden über ihre Aussagen als Voraussetzung für Vertrauen. Das System solle nicht nur Informationen sammeln, sondern nachvollziehbar machen, welche Aussagen in die Aufbereitung eingeflossen sind.
Die Oberfläche orientiert sich an vertrauten Messenger-Dialogen. Fragen und Antworten erscheinen in Sprechblasen; auch eine Anzeige des Tippens wird simuliert. Möglich sind Texteingabe, diktierter und vor dem Versand korrigierter Text sowie Sprachnachrichten. Die Nutzung ist auf Smartphone und PC vorgesehen. Didszuweit bezeichnete dies als bewusste Gestaltungsentscheidung: vertraut genug für ein natürlich wirkendes Gespräch, ohne vorzugeben, dass ein Mensch antwortet.
Flexibilität und Verbindlichkeit
Die Gespräche können unterbrochen und später fortgesetzt werden. Auf die Frage, wie Teilnehmende dennoch bis zum Abschluss dabeibleiben, empfahl Didszuweit, vorab drei feste Termine einzuplanen.
Eine gesicherte Lösung für Motivationsabbrüche stellte er nicht vor. Als mögliche Vorgehensweise beschrieb er Nachfragen bei längerer Inaktivität, zunächst bei der Person selbst und gegebenenfalls später bei Geschäftsführung oder Personalabteilung. Daneben hoffte er auf die öffnende Wirkung interessierter Anschlussfragen. Freiwilligkeit und ausreichende Eigenmotivation blieben wichtige Voraussetzungen.
Ergebnisse: Der „Wissensspiegel“
Die aufbereiteten Ergebnisse bezeichnete Didszuweit als „Wissensspiegel“. Das freigegebene Material soll sich in unterschiedlichen Formen nutzen lassen:
- Wissenslandkarten strukturieren Themen und Zusammenhänge.
- Know-how-Karten beschreiben konkrete Fälle und dazugehörige Handlungsmöglichkeiten.
- Stellenprofile können sichtbar machen, welche Aufgaben und Fähigkeiten eine Person tatsächlich mitbringt.
- Persönliches Feedback soll wertschätzend sein und auch mögliche Wissenslücken ansprechen.
- Eine CSV-Wissensdatei enthält die freigegebenen Informationen zur weiteren Verarbeitung.
- Auf Anfrage kann ein Wissensbot auf Grundlage des erhobenen Materials eingerichtet werden.
Didszuweit unterschied dabei zwischen einer anschaulichen Übersicht und unmittelbarer Alltagstauglichkeit. Eine Wissenslandkarte könne eine Person gut abbilden, beantworte aber nicht automatisch die Frage, was in einer konkreten Situation zu tun sei. Dafür seien die Know-how-Karten gedacht.
Bei einem digitalen Double äußerte er Vorbehalte. Technisch könne ein Bot Antworten auf das erhobene Material begrenzen; mit den bisherigen Ergebnissen und dem erwarteten Nutzwert sei er jedoch noch nicht vollständig zufrieden. Sein Schwerpunkt liege darauf, eine Datengrundlage für den weiteren Transfer zwischen Menschen zu schaffen, nicht eine Person durch eine Maschinenrepräsentation zu ersetzen.
Qualität, Wissenslücken und Erweiterbarkeit
Eine Nachfrage problematisierte, wie ein System Lücken erkennen könne, wenn das fehlende Wissen gerade nicht vorliegt. Didszuweit räumte diese Grenze ausdrücklich ein: Eine unbekannte Lücke könne das System nicht einfach aufdecken.
Erkennen lasse sich zunächst, ob innerhalb eines vorgesehenen Erhebungsrasters Themen fehlen, beispielsweise Aussagen zur Unternehmenskultur. Das sei eine andere Aussage als die Behauptung, sämtliche relevanten Wissenslücken einer Organisation zu kennen.
Der Ansatz beginne bewusst bei der wissensgebenden Person und nicht mit einer vorgegebenen Unternehmensstruktur. Ergänzende Dateien könnten jedoch vorab oder während des Gesprächs hochgeladen und auch wieder entfernt werden. Die KI könne nach konkreten Fällen und zugehörigen Unterlagen fragen.
Als weitere Qualitätsstufen beschrieb Didszuweit:
- Validierung der Erfassung durch die interviewte Person;
- gezielte Befragung weiterer Personen zu bereits erhobenen Aussagen;
- Gegenüberstellung unterschiedlicher Sichtweisen;
- wiederholte Erhebungen zur Aktualisierung.
Die Ausweitung auf mehrere Personen könne perspektivisch zusätzliche Lücken und Zusammenhänge sichtbar machen. Dies wurde als Entwicklungsmöglichkeit beschrieben, nicht als bereits nachgewiesenes Ergebnis.
Diskussion: Menschlicher Dialog und hybride Formate
Nonverbale Beobachtung und gemeinsame Visualisierung
In der Diskussion wurde der methodische Aufbau positiv gewürdigt, zugleich aber auf Grenzen hingewiesen. Ein Beitrag aus der Interviewpraxis betonte, dass menschliche Transfergespräche auch von feinen Beobachtungen und visuellen Reaktionen leben.
Besonders wichtig sei die gemeinsame, während des Gesprächs entstehende Wissenslandkarte. Sie biete Assoziationspunkte und könne zusätzliche Erinnerungen oder Reflexionen auslösen. Eine erst nachträglich erzeugte Karte bilde diese Wirkung nicht gleichermaßen ab.
Didszuweit nahm den Einwand auf. Er bezeichnete die KI-Erhebung als Startpunkt und betonte, dass die anschließende Arbeit mit der Landkarte zwischen Menschen stattfinden solle, möglichst moderiert.
Vertrauen und Akzeptanz
Mehrere Beiträge bezweifelten, dass eine Maschine die emotionale Tiefe und wechselseitige Reaktion eines menschlichen Dialogs erreichen könne. Auch die Bezugnahme auf Sokrates wurde hinterfragt: Dessen Dialogverständnis gehe über Fragetechniken hinaus und umfasse die lebendige Begegnung.
Dem wurde entgegengehalten, dass auch menschliche Interviews nicht automatisch Vertrauen erzeugen. Persönliche Ablehnung könne das Öffnen verhindern; eine standardisierte KI könne für manche Personen leichter zugänglich sein. Weitere Beiträge verwiesen auf unterschiedliche Erfahrungen mit digitaler Kommunikation und darauf, dass sich Akzeptanz verändern könne.
Didszuweit beanspruchte keine abschließende Antwort. Seine Gegenposition bestand vor allem darin, die Schwächen maschineller Gespräche nicht mit einem idealisierten menschlichen Interview zu vergleichen.
KI als zusätzliche Gesprächsbeteiligte
Ein wiederkehrender Vorschlag war ein gemeinsames Setting mit Wissensgebenden, Wissensnehmenden, Moderation und KI. Die KI könnte Fragen vorschlagen, der Moderation Hinweise geben oder selbst am Gespräch teilnehmen. So blieben menschliche Dynamik und gemeinsame Reflexion erhalten.
Aus der Diskussion wurden außerdem Experimente mit KI-Agenten in Team-Meetings und After-Action-Reviews geschildert. Daneben wurden kurze, anlassbezogene Erfassungen genannt, etwa nach der Behebung einer Störung. Diese Beiträge plädierten für unterschiedliche Formate statt eines grundsätzlichen Entweder-oder zwischen Mensch und Maschine.
Auch Avatare sowie reine Audio- oder Audio-Video-Oberflächen wurden angesprochen. Didszuweit sah darin mögliche Erweiterungen der Oberfläche; zentral bleibe für ihn die dahinterliegende Interviewlogik. Welche Variante sinnvoll sei, müsse anhand weiterer Rückmeldungen geprüft werden.
Datenschutz, Betriebsrat und technischer Betrieb
Auf eine Frage nach lokaler Speicherung und Integration in bestehende Unternehmenssysteme erklärte Didszuweit, ein vollständig unternehmensinterner Betrieb sei mitgedacht, aber noch nicht umgesetzt. Lokale KI und eine lokale Bereitstellung würden zusätzliche Entwicklungs- und Testarbeit sowie ein eigenes Projekt erfordern.
Für die bestehende Lösung nannte er OpenAI für Sprache-zu-Text sowie Anthropic, OpenAI und Mistral für Auswertungen. Google werde ergänzend zur Suche nach öffentlich verfügbaren Profilfotos und Informationen auf Unternehmenswebseiten eingesetzt.
Als Schutzmechanismen beschrieb er freiwillige Teilnahme, Freigabe durch die interviewte Person, dauerhafte Speicherung erst nach Freigabe und die Rückverfolgbarkeit auf Originalaussagen. Technisch notwendige Zwischenspeicherung räumte er ein. Außerdem gebe es Vorlagen für Datenschutzregelungen und Betriebsvereinbarungen. Eine rechtliche Prüfung dieser Vorkehrungen war nicht Gegenstand der Session.
Didszuweit sah insbesondere Gesprächsbedarf mit Betriebsräten. Nach seiner Darstellung solle das System keine Leistungsbewertung oder Leistungsprognose erzeugen.
Stand und wichtigste Erkenntnisse
Zum Abschluss bezeichnete Didszuweit die Lösung als einsatzfähig. Als vorgesehenen Preis nannte er 800 Euro pro Person; zum Zeitpunkt der Session seien kostenlose Tests möglich gewesen. Gesucht wurden Rückmeldungen und ausdrücklich auch kritische Testimonials für das weitere Feintuning.
Die Session ließ insbesondere folgende Punkte erkennen:
- Der Ansatz zielt zunächst auf strukturierte Wissenserhebung, nicht auf den vollständigen Ersatz zwischenmenschlichen Transfers.
- Adaptive Nachfragen, nachvollziehbare Aussagen und Freigaben bilden den Kern des vorgestellten Prozesses.
- Vollständigkeit, Motivation und emotionale Gesprächsqualität blieben offene Prüffragen.
- Gemeinsame Visualisierung und nonverbale Wahrnehmung wurden als wichtige Grenzen des gezeigten Formats benannt.
- Hybride Settings wurden mehrfach als erprobenswerte Verbindung menschlicher Gesprächsführung mit KI-Unterstützung vorgeschlagen.