Gkc25-Session: Moderierter Wissenstransfer für Anfänger:innen
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| Moderierter Wissenstransfer für Anfänger:innen | |
|---|---|
| Art | Barcamp-Session |
| KnowledgeCamp | KnowledgeCamp 2025 |
| Sessiongebende | Jenny Stumper
|
| Datum | 24.10.2025 |
| Zeit | 11:00 bis 11:45 Uhr |
| Sprache | Deutsch |
| Aufzeichnung | YouTube |
| Im Programm | Programm |
| KI-Unterstützung | GPT-6.1 Sol |
Aus dem Veranstaltungsprogramm:
Offene Einladung für alle Neueinsteiger:innen und Anfänger:innen zum Thema moderierter Wissenstransfer. Ich bringe eine Variante der Methode mit und freue mich auf eine lebendige Diskussion, Fragen und gemeinsame Weiterentwicklung mit all denen, die einen frischen Blick mitbringen. (Alle "alten Hasen", die sich berufen fühlen mit den "Neueren" zu diskutieren sind ausdrücklich auch herzlichst eingeladen!)
Jenny Stumper stellt eine Variante des moderierten Wissenstransfers vor. Ziel ist nicht allein die Weitergabe von Aufgabenbeschreibungen, sondern die Handlungsfähigkeit der wissensnehmenden Personen. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungswissen, ein geschützter Gesprächsrahmen und ein an die Beteiligten angepasster Prozess. Anhand einer Wissenslandkarte erläutert Stumper die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung; Fragen aus dem Raum und dem Chat ergänzen die Darstellung um praktische Fallstricke und alternative Einsatzsituationen.
Aufbau und Beteiligung der Session
Die Session beginnt mit einer soziometrischen Aufstellung: Die Anwesenden positionieren sich nach ihrer Erfahrung mit moderiertem Wissenstransfer. Online-Teilnehmende geben ihre Selbsteinschätzung im Chat ab. Anschließend sammelt Stumper Erwartungen. Gewünscht werden insbesondere Impulse, Tipps und Tricks aus der Praxis, Hinweise auf schlechte Erfahrungen und eine Erklärung, was „moderiert“ bedeutet.
Stumper berichtet, seit mehr als zehn Jahren ausschließlich Wissenstransferprozesse zu begleiten. Sie stellt ihre Vorgehensweise ausdrücklich als eine Variante unter mehreren vor. Zunächst erläutert sie Zielsetzung, Rollen und Zeitbedarf. Danach führt sie durch die Prozessschritte vom Auftragstreffen bis zum Abschluss. Die Diskussion behandelt unter anderem mehrere Wissensnehmende, Teamwachstum ohne Personalabgang, Dokumentation, Qualifizierung und unterschiedliche Leistungsumfänge.
Handlungsfähigkeit statt bloßer Aufgabenübergabe
Moderierter Wissenstransfer bedeutet für Stumper eine zielgerichtete persönliche Wissensübertragung. Für die Session setzt sie voraus, dass wissensgebende und wissensnehmende Personen miteinander sprechen können und dies freiwillig tun. Fälle ohne persönlichen Austausch klammert sie aus. Ein Transfer kann beim Ruhestand ansetzen, aber auch Wissen erschließen, das neue Mitarbeitende in ein Team mitbringen.
Besonderes Augenmerk gilt dem Erfahrungswissen. Eine gewöhnliche Übergabe behandelt möglicherweise, welche Aufgaben jemand erledigt. Der moderierte Prozess fragt zusätzlich, warum die Person so vorgeht. Wissensnehmende sollen Alternativen ansprechen und nachfragen können. Dabei werden gescheiterte Versuche, bewährte Entscheidungen oder neue Ideen sichtbar.
Die Moderation fördert diese Auseinandersetzung und führt über die unmittelbare Bewältigung des Tagesgeschäfts hinaus. Entscheidend ist, welches Wissen jemand benötigt, um später selbst handeln zu können. Stumper formuliert das Ziel so: „Ziel ist immer, wissensnehmende Personen handlungsfähig zu machen oder sie dabei zu unterstützen, handlungsfähig zu werden.“
Moderation als Brücke und Prozesssteuerung
Der Wissensfluss kann auf beiden Seiten stocken. Wissensgebende wollen möglicherweise nicht erzählen oder halten ihr Erfahrungswissen für selbstverständlich. Wissensnehmende können eingeschüchtert sein, keine Fragen stellen oder eine Aufgabe übernehmen müssen, die sie nicht übernehmen möchten. Eine Moderation kann hier Brücken bauen. Externe Begleitung ist nach Stumpers Darstellung nicht unmittelbar in die persönlichen Hintergründe solcher Schwierigkeiten eingebunden.
Die Rolle muss anpassungsfähig sein. Gut strukturierte, engagierte Beteiligte brauchen manchmal eine Begrenzung der Detailtiefe. Andere benötigen Unterstützung, um überhaupt ins Gespräch zu kommen. Die Moderation beobachtet Themenumfang, verbleibende Zeit und Verständnissignale.
Stumper betont, dass sie technische Inhalte häufig selbst nicht versteht. Ihre Aufgabe sieht sie nicht in fachlicher Expertise, sondern darin, die Gesprächsebene und den Prozess zu steuern. Wenn bei Wissensnehmenden Fragezeichen sichtbar werden, aber keine Fragen mehr kommen, kann sie zusätzlichen Kontext, einen Medienwechsel oder eine Pause anregen.
Auch Terminverbindlichkeit gehört zu dieser Rolle: Ein fest eingeplanter Moderationstermin kann bewirken, dass eine Übergabe trotz voller Kalender tatsächlich stattfindet. Oberste Priorität bleibt für Stumper, dass Wissen fließt.
Führungskräfte: Verantwortung ohne Teilnahme an der Übergabe
In Stumpers Variante nehmen Führungskräfte nicht an den eigentlichen Transfergesprächen teil. Sie begründet dies mit der Offenheit des Austauschs: In Anwesenheit der eigenen Führungskraft würden Beteiligte möglicherweise nicht über Fehler, Abweichungen von offiziellen Prozessen oder Schwierigkeiten mit Führungskultur und Teamgefüge sprechen.
Führungskräfte bleiben jedoch aktiv verantwortlich. Sie stellen Ressourcen bereit, halten den Beteiligten den Rücken frei und setzen Prioritäten. Außerdem geben sie die strategische Richtung vor: Welche Wissensbereiche müssen übertragen werden, welche verlieren an Bedeutung und welche benötigen besondere Aufmerksamkeit?
Die Trennung zwischen geschütztem Austausch und organisatorischer Verantwortung prägt den gesamten Prozess. Führungskräfte wirken an Auftrag, Feinabstimmung und Abschluss mit. Die fachlichen Gespräche erhalten dagegen einen Rahmen, in dem auch kritisches Erfahrungswissen angesprochen werden kann.
Zeitplanung und geeignete Einsatzsituationen
Als bevorzugten Rahmen nennt Stumper etwa drei Monate Überschneidung zwischen den Beteiligten. In dieser Zeit sollten sie möglichst bereits gemeinsam arbeiten, etwa in Meetings, beim Kunden oder in betrieblichen Anlagen. Der moderierte Prozess kommt ergänzend hinzu.
Für ihre Begleitung nennt sie ungefähr 24 Stunden. Diese Angabe bezeichnet zunächst ihren eigenen zeitlichen Einsatz; zusätzliche Arbeit der Beteiligten, etwa die Korrektur der Wissenslandkarte, ist nicht vollständig darin enthalten. Ein Transfertreffen dauert bei ihr höchstens anderthalb Stunden, um die Konzentration auf neue, später eigenständig zu verantwortende Inhalte nicht zu überlasten.
Die Werte sind keine festen Standards. Komplexität, Vorwissen, Widerstände und verfügbare Überschneidungszeit verändern den Bedarf. Bei einem kurzfristigen Ausscheiden kann auch ein stark verdichteter Prozess möglich sein; dann muss die Führungskraft andere Arbeit entsprechend zurückstellen.
Frühe Planung begrüßt Stumper, die eigentlichen Gespräche legt sie jedoch möglichst nahe an das Ausscheiden. Die bevorstehende Verantwortung fördere ernsthafte, handlungsbezogene Fragen. Moderation empfiehlt sie besonders bei singulärem Wissen, Widerständen, hoher Führungsverantwortung, strategisch wichtigen Positionen oder Wissensinseln. Nicht jeder Wissenstransfer müsse moderiert werden.
Der Prozess: Erst organisieren, dann übertragen
Auftrag und Wissenslandkarte
Vor dem gemeinsamen Start klärt Stumper mit der Führungskraft Rahmenbedingungen, mögliche Widerstände und die grobe Art des Wissens. Eine Stellenbeschreibung kann dabei helfen, ist aber nicht zwingend erforderlich.
Zum anschließenden Auftragstreffen lädt die Führungskraft ein. Bei einer wissensgebenden und einer wissensnehmenden Person veranschlagt Stumper ungefähr eine Stunde. Die Beteiligten klären Rollen und Aufgaben, vereinbaren erste Termine und wählen die für sie hilfreichen Prozessbestandteile. Diese Mitgestaltung soll Akzeptanz schaffen. Teilweise nimmt auch der Betriebsrat teil, insbesondere wenn Prioritäten und bereits hohe Arbeitsbelastungen geklärt werden müssen.
Danach erarbeitet Stumper allein mit der wissensgebenden Person eine Wissenslandkarte. Sie sammelt zunächst Themen: Was muss besprochen werden? Wie die Aufgaben funktionieren, wird hier noch nicht dokumentiert. Bevor der Prozess weitergeht, korrigiert, ergänzt und genehmigt die wissensgebende Person die digitalisierte Übersicht.
Stumper bevorzugt eine Mindmap, weil sie später assoziative Gespräche unterstützt; bei Bedarf verwendet sie eine Liste. Die Kontrolle über den Inhalt verbleibt bei der wissensgebenden Person.
Selbsteinschätzung und Feinabstimmung
Im nächsten Einzeltermin betrachtet die wissensnehmende Person die Wissenslandkarte in Ruhe. Sie schätzt ihren vorhandenen Wissensstand zu den Oberpunkten ein, beispielsweise auf einer Skala von eins bis zehn oder von null bis hundert. Stumper geht es vor allem um eine bewusste Auseinandersetzung mit dem gesamten Überblick. Fragen und zusätzliche Wünsche werden aufgenommen und markiert.
Anschließend prüft die Führungskraft die Landkarte. Dabei kann sichtbar werden, dass weitere Wissensnehmende erforderlich sind oder die vorgesehene Person nicht alle Aufgaben abdecken kann. Die Führungskraft setzt fachliche und strategische Prioritäten.
Diese Einzelgespräche schaffen zugleich Vertrauen und ermöglichen Einblicke in Sorgen oder Widerstände. Stumpers Erfahrungsregel lautet: „Erst organisieren, dann übertragen.“
Transfer, erneute Einschätzung und Abschluss
Die eigentlichen Transfertreffen orientieren sich an der Wissenslandkarte, nicht an zufällig anfallenden Tagesaufgaben. So werden auch Themen behandelt, die erst später relevant werden, etwa ein Jahresabschluss.
Moderierte Treffen und selbstständige Zwischentreffen wechseln sich möglichst ab. Gemeinsam entscheiden die Beteiligten, wo Moderation und Mitschrift hilfreich sind und welche Inhalte sie allein bearbeiten können. Stumper nennt ungefähr fünf begleitete und fünf unbegleitete Treffen als Erfahrungswert, relativiert diesen jedoch ausdrücklich: Umfang und Rhythmus hängen wesentlich von Wissenstiefe, Vorwissen und Unterstützungsbedarf ab.
Nach der Bearbeitung der Landkarte folgt eine zweite Selbsteinschätzung. Dabei wird nicht nur der erreichte Wissensstand betrachtet, sondern auch weiterer Bedarf: Sind Schulungen, Anlagenbesuche oder Zugänge noch erforderlich? Offene Punkte fließen in einen Aktionsplan ein.
Im Abschlusstreffen kommen Führungskraft und gegebenenfalls weitere Beteiligte wieder hinzu. Sie betrachten Themen, Termine, Wissensstand und Aktionsplan und geben Feedback. Anschließend übernimmt die Führungskraft wieder die Verantwortung für die weitere Befähigung. Das Lernen endet nicht mit dem moderierten Prozess.
Fragen stellen und Wissen geschützt dokumentieren
Für die Wissenslandkarte nutzt Stumper einen umfangreichen Fragenkatalog und eine vorstrukturierte Übersicht mit sechs Oberkategorien. Ihre Variante ordnet sie in die Nähe von Expert Debriefing ein, ohne sie damit gleichzusetzen.
Sie empfiehlt, nicht mechanisch Interviewfragen abzuhaken, sondern ein Gespräch zu führen. Statt nach „Kernaufgaben“ fragt sie beispielsweise: „Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?“ Antworten über E-Mails oder Veranstaltungen eröffnen Anschlussfragen zu Netzwerken, Gremien und Rollen. Darin sieht sie auch Wertschätzung gegenüber langjähriger Erfahrung. Eine bloß auszufüllende Liste oder die Bearbeitung in einem AI-Tool ersetzt für sie diesen persönlichen Austausch nicht.
Die begleiteten Termine dokumentiert Stumper entlang der Wissenslandkarte, niedrigschwellig in Excel. Wissensgebende und Wissensnehmende erhalten Zugriff; die Führungskraft bekommt die Mitschrift zunächst nicht. Dadurch sollen kritische Inhalte nicht schon beim Erzählen oder Schreiben ausgespart werden.
Die Beteiligten können relevante Teile in ihre vorhandenen Werkzeuge übernehmen und für das Team nutzbar machen. Vertrauliche Informationen behandeln sie gesondert. Stumper fordert ausdrücklich dazu auf, Wissen weiterzugeben und Dokumentation aktuell zu halten. Bestehende Unterlagen stellt die wissensgebende Person bereit; die wissensnehmende Person übernimmt deren Aktualisierung. Nach Fertigstellung sollen die Beteiligten die Dokumentation herunterladen und speichern, damit Stumper sie bei sich löschen kann.
Varianten, Qualifizierung und weiterer Austausch
Bei mehreren Wissensnehmenden können gemeinsame Treffen sinnvoll sein, wenn sie ähnliche Aufgaben übernehmen. Stark unterschiedliche Wissensstände oder persönliche Spannungen sprechen für eine andere Aufteilung. Die erste Selbsteinschätzung hilft bei dieser Entscheidung.
Bleibt die wissensgebende Person im Unternehmen, lässt sich der Prozess ebenfalls einsetzen. Der Start kann unmittelbar beim Einstieg oder nach einer Ankommensphase erfolgen. Maßgeblich sind die Beteiligten und die Rahmenbedingungen. Fortgesetzte Zusammenarbeit kann den Bedarf an formalen Transfergesprächen reduzieren.
Stumper beschreibt drei Angebotsumfänge: eine angereicherte Wissenslandkarte ohne vorhandene Nachfolge, Begleitung bis zum ersten Transfertreffen mit anschließend selbstständiger Umsetzung und vollständige Prozessbegleitung. Sie bietet diese als Pakete an, rechnet jedoch nach Stunden ab.
Auf Fragen zur Professionalisierung nennt sie Ausbildungen bei Simon Dückert, Christian Keller, Ingo Sell sowie SCT, Sell Consulting and Training, wo sie selbst als Trainerin mitwirkt. Außerdem verweist sie auf ihr Buch mit Fragenkatalog und weiteren Dokumenten sowie auf das Wissenstransfercamp in Nürnberg als Austauschmöglichkeit. Abschließend lädt sie ausdrücklich ein, sie über LinkedIn oder persönlich mit Fragen und konkreten Fällen anzusprechen.