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Gkc25-Session: Mini-Lernreise: Erkenntnisse des visuellen Innovierens für das Wissensmanagement

Aus GfWM Wiki
Mini-Lernreise: Erkenntnisse des visuellen Innovierens für das Wissensmanagement
Art Barcamp-Session
KnowledgeCamp KnowledgeCamp 2025
Sessiongebende Christina Westing


Datum 23.10.2025
Zeit 15:00 bis 15:45 Uhr
Sprache Deutsch
Aufzeichnung YouTube
Im Programm Programm
KI-Unterstützung GPT-6.1 Sol

Aus dem Veranstaltungsprogramm:

Wissensmanagement lebt vom Teilen, Verstehen und Weiterentwickeln von Wissen – als jemand, der selbst technische Redaktion und Wissenskommunikation studiert und in diesem Feld auch viele Jahre gearbeitet hat, weiß ich: genau daran scheitert es oft im Alltag. Wie wäre es, wenn wir hier einmal neu denken? Wie wäre es, wenn wir uns vom visuellen Innovieren inspirieren lassen?

In dieser Lernreise probieren wir gemeinsam aus, wie einfache visuelle Methoden dabei helfen, Wissen zu strukturieren, Teams zu aktivieren und Ideen nachhaltig zu verankern.

Mit kleinen Übungen, Beispielen und Austausch entdecken wir, welche Prinzipien aus dem visuellen Innovieren auf das Wissensmanagement übertragbar sind – ganz ohne Zeichenstress, aber mit viel Spaß am Ausprobieren.

Christina Westing stellte Visualisierung als Werkzeug für mehr Klarheit in der Wissenskommunikation und Zusammenarbeit vor. In Einzel- und Gruppenübungen erprobten die Teilnehmenden einfache Symbole und deren Verbindung mit erklärenden Wörtern. Im Mittelpunkt standen der Abbau von Zeichenunsicherheit, die Entwicklung einer eigenen Bildsprache und die gemeinsame Verständigung über deren Bedeutung. Die Diskussion machte zugleich deutlich, dass vereinfachte Bilder komplexe Sachverhalte nicht ersetzen, sondern Gespräche darüber unterstützen sollen.

Ausgangspunkt und Aufbau der Lernreise

Westing knüpfte an ihre Erfahrungen aus dem Studium der Technischen Redaktion und Wissenskommunikation sowie aus ihrer langjährigen Tätigkeit als technische Redakteurin an. Wissensmanagement sei dabei sowohl intern als auch gegenüber Kunden wichtig gewesen. Durch ihre spätere Beschäftigung mit Innovation habe sie Erkenntnisse gewonnen, die sie bereits früher gern genutzt hätte. Dazu zählte sie insbesondere Visualisierung als Werkzeug für Klarheit im Team und in der Arbeit.

Die Session war als kurze, erfahrungsorientierte Lernreise angelegt. Statt zunächst ausführlich Theorie zu vermitteln, ließ Westing die Teilnehmenden unmittelbar zeichnen. Daran schlossen sich ein Austausch über Vorerfahrungen, ein theoretischer Mini-Impuls, eine weitere Einzelübung und eine Gruppenarbeitsphase an. Eine gemeinsame Abschlussreflexion bündelte die Erfahrungen.

Die wesentlichen Schritte waren:

  • Erwartungen an die Session spontan als Bild darstellen.
  • Unsicherheit und bisherige Erfahrungen mit Visualisierung besprechen.
  • Abstraktion, Bildvokabeln und die Entwicklung einer eigenen Bildsprache kennenlernen.
  • Ein beruflich relevantes Wissenselement oder einen Prozessbestandteil visualisieren.
  • In kleinen Gruppen Anwendungsmöglichkeiten für den eigenen Arbeitsalltag entwickeln.

Auch die online Teilnehmenden wurden zum Zeichnen und Zeigen ihrer Ergebnisse eingeladen. Während der Gruppenphase tauschten sie sich separat aus und berichteten anschließend im gemeinsamen Plenum.

Mut statt Zeichenperfektion

Die erste Aufgabe bestand darin, eine Erwartung an die Session auf einem Flipchart oder auf Papier zu symbolisieren. Westing forderte dazu auf, ohne langes Nachdenken loszulegen. Es gebe kein Richtig oder Falsch. Unter den entstandenen Darstellungen waren Augen, Glühbirnen, Fragezeichen und ein Männchen mit Pfeilen am Kopf.

Auf die Frage, wer sich bei dieser spontanen Aufgabe vollkommen sicher gefühlt habe, meldeten sich nur einzelne Personen. Westing leitete daraus ein zentrales Hindernis ab: Viele Menschen seien unsicher, ob ihre Darstellung verständlich oder ansehnlich werde. Vergleiche mit geübteren Zeichnenden und die Sorge, ausgelacht zu werden, könnten verhindern, dass sie überhaupt zum Stift griffen.

Den ersten wichtigen Schritt sah sie deshalb im Mut zum Ausprobieren. Bereits ein Pfeil, einige miteinander verbundene Figuren oder eine Gedankenblase könnten helfen, einen Prozessstand oder eine offene Entscheidung sichtbar zu machen. Eine solche Darstellung eröffne andere Gespräche: Beteiligte könnten feststellen, dass sie den bisherigen Verlauf unterschiedlich verstanden hätten.

Ihr grundlegender Maßstab lautete: „Es geht nämlich immer um Klarheit und nicht um Kunst.“ Visualisieren beschrieb sie nicht als besondere künstlerische Begabung, sondern als erlernbare Bildsprache. Diese müsse schrittweise entwickelt werden; niemand müsse sie aus dem Stand beherrschen.

Abstraktion und Bildvokabeln

Mit einfachen Formen beginnen

Als Schlüssel zu zugänglicher Visualisierung stellte Westing die Abstraktion heraus. Eine bereits vereinfachte Darstellung eines Menschen könne für manche noch zu schwierig erscheinen. Dann helfe es, sie weiter auf grundlegende Formen zu reduzieren.

Nicht die ausgefeilteste Zeichnung oder die Anerkennung für eine besonders schöne Darstellung sei das Ziel. Entscheidend sei, dass eine einfache Form zusammen mit dem Gespräch verständlich bleibe. Die Teilnehmenden sollten deshalb mit möglichst einfachen Elementen beginnen und sich an deren Verwendung herantasten.

Bild und Wort verbinden

Eine Bildvokabel definierte Westing als Kombination aus einem Bildteil und einem Wortteil: Ein einfaches Symbol wird durch einen zugehörigen Begriff ergänzt. Auf diesen Zusammenhang legte sie besonderen Wert, weil stark vereinfachte Formen allein nicht immer eindeutig seien.

Die Verbindung von Symbol und Wort könne nach ihrer Darstellung mehr Klarheit schaffen als Worte allein. Visualisierung bedeutete damit ausdrücklich nicht, Text vollständig zu ersetzen. Vielmehr sollten Bild und Beschriftung einander ergänzen.

In der anschließenden Einzelübung sollten die Teilnehmenden ein typisches Wissenselement oder einen Bestandteil ihres beruflichen Prozesses darstellen. Dabei sollten sie sowohl ein abstraktes Symbol als auch ein passendes Wort entwickeln. Die Rückmeldungen zeigten, dass nicht nur das Zeichnen, sondern auch die Auswahl des Begriffs einen Denkprozess auslöste.

Eine eigene Bildsprache für den Arbeitskontext

Westing verwies auf Bildvokabelbücher und Symbolbibliotheken als Inspirationsquellen. Zugleich betonte sie, dass es keine universell passende Lösung gebe. Wer Visualisierung langfristig nutzen wolle, brauche eine Bildsprache, die zur eigenen Situation, zum Team und zur Organisation passe.

Umfangreiche Sammlungen könnten zwar viele Themen abdecken, aber auch Unsicherheit erzeugen: Welche Darstellung sei für den konkreten Zweck die richtige? Westing erläuterte, dass sie deshalb für das Innovieren als Tätigkeit eine eigene Bildsprache entwickelt habe. Diesen Ansatz übertrug sie auf die Arbeitsfelder der Teilnehmenden.

Eine solche Sprache sollte durch Anwenden, Ausprobieren und Weiterentwickeln entstehen. Externe Vorlagen seien dabei hilfreich, aber nicht als unveränderlicher Standard zu verstehen. Zur Gruppenarbeit stellte Westing ein Handout mit von ihr entwickelten Symbolen für das Wissensmanagement sowie weitere Bildvokabelvorlagen bereit.

Aus dem Publikum kam die Frage, wie eine Bildsprache gemeinsam entstehen könne und was mit ihr geschehe, wenn eine verantwortliche Person das Unternehmen verlasse. Für die gemeinsame Entwicklung verwies Westing auf das praktische Erproben im Team. Die Frage nach dem Fortbestand bei einem Personalwechsel stellte sie zur Diskussion; eine abschließende Antwort ist im dokumentierten Verlauf nicht enthalten.

Vereinfachung und Komplexität im Gespräch verbinden

Ein Teilnehmer problematisierte den reduzierenden Charakter einfacher Symbole. Er wolle mit Komplexität und Vielfalt umgehen, während die Methode zunächst vereinfachend wirke. Dass viele zum Einstieg eine Glühbirne gezeichnet hätten, veranschauliche für ihn die Gefahr gleichförmiger Darstellungen.

Westing antwortete mit zwei Gedanken. Erstens funktioniere Visualisierung im Team nur in Verbindung mit der Diskussion zwischen Menschen. Sie sei eine Stütze für Zusammenarbeit, nicht der Ersatz für die gemeinsame Auseinandersetzung. Zweitens könne Inspiration aus unterschiedlichen Quellen helfen, das eigene Repertoire zu erweitern und passendere Darstellungen zu finden.

Weitere Beiträge differenzierten die Frage. Eine Teilnehmerin betonte, dass vertraute Symbole auch einen schnellen Einstieg ermöglichen könnten, weil ihre Bedeutung anschlussfähig sei. Für andere Zwecke könne dagegen eine Weiterentwicklung nötig sein.

Ein weiterer Teilnehmer beschrieb ein Bild als Gesprächsangebot, ähnlich einem Wort oder Begriff. Beteiligte müssten eine Darstellung auch zurückweisen oder verlassen können: Vielleicht passe eine Glühbirne nicht, während ein Gehirn, Zahnräder oder eine ganz andere Bildwelt hilfreicher wären. Gerade diese Auseinandersetzung könne wieder Raum für Komplexität schaffen. Westing fasste Visualisierung entsprechend als eines von mehreren Werkzeugen auf.

Anwendung im Wissensmanagement

Textlastige Inhalte und Prozessdarstellungen

Die Teilnehmenden brachten unterschiedliche Ausgangslagen aus ihrem Arbeitsalltag ein. Dazu gehörten textlastige Confluence-Seiten, internationale Studienbewerbungen, Schulungen, Qualitätsmanagement sowie Workshop-Vorbereitungen.

Eine Teilnehmerin erläuterte, dass ihre Organisation auf genaue Fakten und umfangreiche Texte angewiesen sei. Visualisierung sollte dort nicht den notwendigen Text verdrängen, sondern die Orientierung verbessern: Auf den ersten Blick sollte erkennbarer werden, wo welche Informationen zu finden seien.

In der Online-Gruppe wurden unter anderem die Einführung von Wissensmanagement, die Darstellung von Entwicklungsphasen und der Wechsel eines Dokumentenmanagementsystems zu SharePoint angesprochen. Als Vorgehen diskutierte die Gruppe, zunächst prägnante Wörter und relevante Prozesselemente zu sammeln und dafür anschließend Bilder zu entwickeln.

Dabei wurden Analyse, Design, Feedback beziehungsweise Überprüfung und Implementierung als mögliche Prozessschritte genannt. Diese Überlegungen blieben Beispiele aus der Gruppenarbeit, keine ausgearbeiteten Musterlösungen.

Bedeutung gemeinsam abstimmen

Ein wiederkehrendes Thema war die Abstimmung mit den späteren Nutzenden. Ein Teilnehmer erkannte, dass er zunächst allein passende Bildvokabeln entworfen und anschließend eine fertige Grafik präsentiert hätte. Der Austausch machte ihm deutlich, dass die Personen, die die Bildsprache verstehen und verwenden sollen, an ihrer Entwicklung beteiligt sein sollten.

Zugleich berichteten Teilnehmende von unterschiedlichen Organisationspraktiken: Während mancherorts kaum visualisiert werde, würden andernorts einzelne Icons ausführlich diskutiert. Als Beispiel wurde die Frage genannt, ob eine Rakete zu energiegeladen wirke und ein Ausrufezeichen geeigneter sei.

Ein selbst gezeichnetes E-Learning-Symbol führte zu einer konkreten Verständigungsprobe. Die Gruppe diskutierte, ob ein @-Zeichen den Online-Aspekt passend ausdrücke. In Verbindung mit der Beschriftung „E-Learning“ erschien die Darstellung mehreren Beteiligten schlüssig. Das Beispiel verdeutlichte die Rolle des Wortteils, ohne die Frage nach passenden Symbolen grundsätzlich aufzulösen.

Reflexion und Impulse für die Praxis

In der Abschlussrunde berichtete die Online-Gruppe von zwei wesentlichen Erfahrungen: Sie hatte über die Freiheit und den Abstimmungsbedarf bei Bildvokabeln in Organisationen diskutiert und zugleich mehr Mut zum eigenen Visualisieren gewonnen.

Eine weitere Rückmeldung hob hervor, dass gemeinsames Arbeiten besonders hilfreich gewesen sei, wenn zunächst eigene Ideen fehlten. Andere hätten Ansätze aufgegriffen und weiterentwickelt. Eine Gruppe hatte „Vielfalt“ dreimal unterschiedlich visualisiert. Daraus leitete sie ab, dass die Verständlichkeit einer Darstellung stark von der Zielgruppe abhänge.

Westing betonte abschließend den gemeinsamen Prozess von Sprechen, Entwickeln und Visualisieren. Ihr Aufruf war, Visualisierung im eigenen Alltag zu testen und schrittweise anzugehen. Die Handouts waren ausdrücklich zum Mitnehmen gedacht; außerdem bot sie weiteren persönlichen Austausch während der Veranstaltung an.

Die Lernreise vermittelte damit keinen abgeschlossenen Symbolstandard. Ihr Ergebnis war vielmehr ein erprobter Einstieg: einfache Formen nutzen, Wörter ergänzen, Bedeutungen gemeinsam prüfen und die Bildsprache im jeweiligen Arbeitskontext weiterentwickeln.

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