Gkc25-Session: Knowledge Management without borders – Co-creating the KM Landscape!
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| Knowledge Management without borders – Co-creating the KM Landscape! | |
|---|---|
| Art | Vortrag |
| KnowledgeCamp | KnowledgeCamp 2025 |
| Speaker:in | Andrew Herd |
| Organisation | KM Landscape Project |
| Track | KM Global Track |
| Datum | 24.10.2025 |
| Zeit | 14:00 bis 14:45 Uhr |
| Sprache | Englisch |
| Aufzeichnung | YouTube |
| Im Programm | Programm |
| KI-Unterstützung | GPT-6.1 Sol |
Aus dem Veranstaltungsprogramm:
The KM Landscape is an open source project which provides a set of Terms Lists reflecting the Knowledge Management (KM) Landscape for public use (following the principles of Creative Commons – CC BY-SA 4.0), and is a work-in-progress. In order to further explore means to elevate KM and create meaningful outcomes from the Terms Lists, this workshop is shaped to cocreatively identify “Needs4KM + KM4Needs” in the specific context of GfWM (and this International Stream). The workshop will provide a forum to focus on where needs might be unique around language-based accessibility, and also where cross-language/cultural cocreation can realise new inclusive and diverse perspectives, reflected in terms, phrases or ideas to be added to the KM Landscape Terms Lists – acknowledging and confronting the limitation that the KM Landscape is undertaken exclusively in the spoken and written English language and yet engages KM voices from around the world.
Zusammenfassung
Andrew Herd gestaltete die Session als interaktiven Workshop zur Weiterentwicklung der KM Landscape. Im Mittelpunkt standen persönliche Bedürfnisse von Wissensmanagement-Praktizierenden, Veränderungsbedarfe des Wissensmanagements und die Frage, wer dessen Unterstützung benötigt. Die Diskussion verband sprachliche und kulturelle Zugänglichkeit mit einem gemeinsam interpretierten Brückenmodell. Dabei wurde deutlich: Eine gemeinsame Sprache kann Zusammenarbeit ermöglichen, darf aber unterschiedliche Voraussetzungen und Perspektiven nicht unsichtbar machen.
Aufbau und Arbeitsweise
Die Moderation begrüßte die Teilnehmenden zum erstmals angebotenen internationalen Track der jährlichen Veranstaltung, der in Zusammenarbeit mit dem KM Global Network stattfand. Herd betonte anschließend, dass die Session keine reine Wissensvermittlung sein sollte, sondern vom Austausch und der Beteiligung leben würde.
Der Ablauf umfasste drei Schritte:
- Einführung in die KM Landscape und die Leitfragen zu Bedürfnissen.
- Parallele Gruppenarbeit vor Ort mit Karten sowie online mit einem Miro-Board.
- Zusammenführung der Ergebnisse und gemeinsame Reflexion.
Nach einer Abstimmung über die verbleibende Zeit wurden ungefähr 15 Minuten für die Gruppenarbeit vereinbart. Für die Präsenzgruppe regte Herd je nach Gruppengröße auch kleinere Teilgruppen an, weil diese einen persönlicheren und intensiveren Dialog ermöglichen könnten. Die Onlinegruppe arbeitete mit einem bereits zuvor entstandenen gegenständlichen Modell. Bei der Ergebnisvorstellung trafen damit eine schriftliche Sammlung und eine bildgestützte Interpretation aufeinander.
Die KM Landscape als gemeinsamer Weg
Herd beschrieb die KM Landscape als offenes Projekt mit öffentlich nutzbaren Begriffslisten, die die Landschaft des Wissensmanagements abbilden sollen. Das Projekt sei nicht abgeschlossen, sondern werde fortlaufend weiterentwickelt. In seiner zweiten Phase untersuche es sowohl Bedürfnisse nach Wissensmanagement als auch Bedürfnisse des Wissensmanagements selbst.
Als Leitbild verwendete Herd einen gemeinsam begangenen Weg: Die Beteiligten arbeiten daran, ihn für andere leichter zugänglich zu machen. Eine Unterbrechung dieses Weges steht für Hindernisse, die Menschen am Weiterkommen hindern. Der Workshop sollte herausfinden, was benötigt wird, um solche Lücken zu überbrücken.
Damit verband Herd die Begriffsarbeit ausdrücklich mit konkreten Anliegen. Allgemeine Aussagen allein sollten nicht im Vordergrund stehen. Entscheidend sei, welche Probleme die Beteiligten tatsächlich erleben und welche Veränderungen ihnen helfen würden. Durch diesen Bezug zu Bedürfnissen solle die KM Landscape Bedeutung für ihre Nutzerinnen und Nutzer gewinnen.
Drei Perspektiven auf Bedürfnisse
Für die Gruppenarbeit unterschied Herd drei miteinander verbundene Perspektiven.
Was brauche ich persönlich?
Die erste Perspektive richtete sich auf die einzelne Person: Was soll Wissensmanagement ihr ermöglichen? Herd nannte beispielhaft den Wunsch, als Wissensmanager von der Geschäftsführung gehört zu werden, eine Arbeitsstelle zu finden, mehr Ressourcen zu erhalten oder Mentoring zu nutzen.
Er ermutigte die Teilnehmenden, ihre Anliegen persönlich und konkret zu formulieren. Gefragt waren das eigene Arbeitsfeld, das erlebte Problem und die Veränderung, die tatsächlich einen Unterschied machen würde.
Was muss sich im Wissensmanagement verändern?
Die zweite Perspektive betraf die Weiterentwicklung des Feldes. Herd verwies auf eine vorherige Diskussion, in der eine deutliche, möglicherweise radikale Veränderung des Wissensmanagements gefordert worden war. Als möglichen Gegenstand nannte er auch Communities of Practice: Je nach Bedarf könnten diese offener, stärker abgegrenzt oder fokussierter werden müssen.
Als praktisches Beispiel führte er ein Anliegen Stuarts an. Dieser wünsche sich eine eigenständigere Positionierung des Wissensmanagements in Wikipedia. Begriffe zur Beschreibung des Feldes und seiner Beziehungen zu anderen Disziplinen könnten eine solche Initiative unterstützen. Das Beispiel diente zur Veranschaulichung eines Bedarfs, nicht als gemeinsam beschlossener Auftrag.
Wer benötigt Wissensmanagement?
Die dritte Perspektive fragte nach Menschen und Bereichen, die Wissensmanagement benötigen, möglicherweise ohne dies selbst so zu benennen. Herd verwies auf „KM for Agriculture“ in Afrika. Als Bedarf schilderte er den Verlust landwirtschaftlichen und indigenen Wissens, etwa über Anbauweisen und Pflanzen, die für Ernährung oder medizinische Anwendungen vor Ort wichtig seien.
Die Leitfragen lauteten entsprechend: Wer braucht Wissensmanagement, warum wird dieser Bedarf möglicherweise nicht erkannt, und wie lässt sich darauf eingehen?
Sprache als Zugang und Grenze
Die KM Landscape beansprucht Offenheit, Vielfalt und Inklusion. Herd stellte diesem Anspruch eine zentrale Einschränkung gegenüber: Die Zusammenarbeit und die Begriffslisten seien bislang ausschließlich englischsprachig. Zwar beteiligten sich Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, ihre Beiträge würden jedoch auf Englisch vermittelt.
Für die Session hatte er deshalb eine Zusammenfassungsfolie zusätzlich ins Deutsche übertragen lassen. Die Gegenüberstellung sollte nicht nur informieren, sondern Unterschiede und Verständnishürden sichtbar machen. Menschen mit Kenntnissen beider Sprachen konnten die Übersetzung prüfen; für Menschen mit nur einer dieser Sprachen wurde die Zugangsgrenze unmittelbar erkennbar.
Schon die Vorbereitung habe gezeigt, dass Übersetzen Entscheidungen verlangt. Die unterstützende Person fragte beispielsweise nach einer formellen oder informellen Ansprache. Herd nutzte dies als Hinweis darauf, dass sprachliche Nuancen auch beim Sprechen über Wissen und Wissensmanagement eine Rolle spielen.
Die Präsenzgruppe griff diese Fragen beim kulturübergreifenden Austausch guter Praktiken auf. Sie beschrieb unterschiedliche kulturelle Verständnisse als Einfluss auf Wissen und Wissensmanagement. Sprache wurde dabei als Grundlage der Kommunikation zwischen diesen Perspektiven diskutiert.
Übersetzung als gemeinsames Aushandeln
Ein Vorschlag der Präsenzgruppe war, sozialanthropologische Perspektiven für die Übersetzung zwischen Kulturen, Sprachen und Verständnissen einzubeziehen. Die anschließende Diskussion verdeutlichte, dass Übersetzung mehr sein kann als die Übertragung eines fertigen Textes.
Herd berichtete aus seiner Arbeit im Raumfahrtbereich mit nationalen Raumfahrtagenturen, darunter DLR und CNES. Bei einem Glossar für Standards sei zunächst eine Übersetzung gewünscht worden. Später hätten Beteiligte jedoch eine gemeinsame Referenz aus Begriffen und Definitionen bevorzugt, deren Übersetzung sie intern aushandeln könnten.
Herd stellte seine frühere Vorstellung von Übersetzung als Transaktion diesem beziehungsorientierten Verständnis gegenüber. Das Diskutieren einer Übersetzung könne selbst zu einem besseren Verständnis beitragen. Ein Beitrag aus der Schweiz ergänzte die Frage nach einer maßgeblichen Sprachfassung bei mehrsprachigen Rechtstexten. Im Zusammenhang der Session unterstrich dies die Bedeutung gemeinsamer Referenzen.
Dekolonisierung und sprachliche Vielfalt
Die Präsenzgruppe nahm auch Dekolonisierung in ihre Sammlung auf. Eine Person aus der Entwicklungszusammenarbeit begründete dies mit der Sorge, dass Informationen in selteneren Sprachen weiter verschwinden könnten. Sie verband diese Sorge mit der Dominanz angloamerikanischer Quellen und Sprache in großen Sprachmodellen.
Herd griff den Gedanken auf und problematisierte eine einfache Gleichsetzung von Mehrsprachigkeit und Dekolonisierung. Eine Übersetzung aus dem Englischen ins Spanische, Französische oder Niederländische könne zusätzliche Menschen erreichen, löse aber nicht automatisch die angesprochenen kolonialen Sprachverhältnisse auf.
Als längerfristiges Anliegen formulierte er, auch Sprachen einzubeziehen, deren Nutzung diese Verhältnisse nicht erneut verstärke. Die Diskussion blieb offen. Ein weiterer Beitrag zeigte zugleich, dass Englisch in mehrsprachigen Begegnungen als pragmatische gemeinsame Sprache dienen kann. Sprachliche Verständigung und die Berücksichtigung verdrängter Perspektiven wurden damit als unterschiedliche, miteinander verbundene Fragen sichtbar.
Das Brückenmodell: unterschiedliche Voraussetzungen verbinden
Die Onlinegruppe interpretierte ein von Dawn gebautes Modell. Es zeigte eine Brücke zwischen zwei Seiten mit unterschiedlichen Zugängen und Fahrzeugen: einem Skateboard und einem Rennwagen, einer Rampe sowie einer Treppe mit Geländer. Wörter auf einer Karte unterstützten die Konstruktion.
Stuart deutete die Fahrzeuge als verwandte, aber unterschiedliche Wissensbereiche. Wissensmanagement baue die Verbindung, über die Menschen einander finden und Wissen in einem anderen Bereich wiederverwenden könnten. Dawn ergänzte, dass die Seiten auch für verschiedene Länder, Management und Mitarbeitende oder unterschiedliche Wissensmanagement-Kontexte stehen könnten. Die Wörter symbolisierten eine gemeinsame Sprache.
Für die Interpretation galt ausdrücklich, dass es keine einzig richtige Lesart gab. Gefaltetes Papier wurde beispielsweise sowohl als tragende Struktur als auch als geöffnetes Buch verstanden. Diese Mehrdeutigkeit war Teil der Methode: Zunächst sollten andere ihre Wahrnehmung beschreiben, ohne dass die Urheberin die Bedeutung vorgab.
In der Abschlussrunde verband Herd das Modell mit der KM Landscape. Unterschiedliche Sprachen, Perspektiven und Voraussetzungen sollen so berücksichtigt werden, dass Menschen die Verbindung tatsächlich nutzen können. Die Brücke bleibe dabei eine dauerhafte Aufgabe, weil neue Menschen hinzukommen und andere Zugänge benötigen.
Veränderung ermöglichen und Verantwortung teilen
Die Onlinegruppe diskutierte außerdem, wie Wissensmanagement Veränderung unterstützen kann. Stuart verglich es mit der Gestaltung eines Gartens: Wachstum werde nicht unmittelbar hergestellt, aber durch geeignete Bedingungen ermöglicht. Entsprechend könne Wissensmanagement die Infrastruktur gestalten, durch die Wissen fließt.
Herd brachte ein weiteres, zuvor entstandenes Bild ein: die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling. Seine Deutung betonte, dass tiefgreifender Wandel nicht nur Bewahrung bedeutet. Wissensmanagement müsse solchen Übergängen standhalten und dürfe Veränderung nicht grundsätzlich abwehren.
Stuart ergänzte ein Beispiel aus einem KI-Workshop mit Microsoft. Obwohl er selbst eine Präferenz zwischen vier möglichen Projekten gehabt habe, überließ er der Gruppe die Wahl. Ihm sei wichtiger gewesen, dass die Beteiligten die Entscheidung als ihre eigene annahmen. Das Beispiel veranschaulichte die Spannung zwischen fachlicher Steuerung und gemeinsamer Verantwortung.
Wissen in Führungsziele übersetzen und Ergebnisse weiterverwenden
Die Präsenzgruppe benannte einen weiteren Übersetzungsbedarf: Wissensmanagement müsse an die Ziele und Sprache von Führungskräften anschließen. Ein Beitrag beschrieb dies als Übergang vom Wissensmanagement zum Management des Wertes von Wissen. Damit verbunden war der Anspruch, strategische und innovationsbezogene Entscheidungen auf gutes Wissen zu stützen.
Die vor Ort gesammelten Ergebnisse waren noch nicht geclustert; in einigen Fragen bestand Einigkeit, andere blieben in Diskussion. Herd bat abschließend um ein Foto der Karten und kündigte an, die Ergebnisse zu teilen. Sie sollten in die Überlegungen der KM Landscape einfließen und Hinweise auf Anwendungsfälle liefern. Auch die Beteiligten könnten sie für ihre eigenen Communities of Practice nutzen.
Als weiterführendes Anliegen hob Herd einen intensiveren Dialog über Sprache hervor. Die Moderation unterstützte die Fortsetzung des Austauschs über Sprachbarrieren hinweg. Ein abschließender Konsens über Begriffe oder Maßnahmen wurde nicht formuliert; die Session lieferte konkrete Bedürfnisse und unterschiedliche Deutungen für die weitere gemeinsame Arbeit.