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Gkc25-Session: Co-Creation mit KI auf Augenhöhe

Aus GfWM Wiki
Co-Creation mit KI auf Augenhöhe
Art Vortrag
KnowledgeCamp KnowledgeCamp 2025
Speaker:in Sabine Wax
Organisation inside workspace GmbH
Track Kuratierter Track
Datum 24.10.2025
Zeit 14:00 bis 14:45 Uhr
Sprache Deutsch
Aufzeichnung YouTube
Im Programm Programm
KI-Unterstützung GPT-6.1 Sol

Aus dem Veranstaltungsprogramm:

KI verändert unsere Arbeit – die Frage ist: für uns oder mit uns? Co-Creation heißt: Neues schaffen, das keiner allein könnte. Ich zeige, wie KI zum Teamplayer wird – im Dialog mit Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Zusammenfassung

Sabine Wax beschreibt anhand der Erfahrungen ihres Startups, wie KI vom Werkzeug zu einem sichtbar eingebundenen Teamplayer werden kann. Im Mittelpunkt stehen eine gemeinsame Wissensbasis, nachvollziehbare Beiträge und klar geregelte menschliche Verantwortung. Agenten erhalten auf der Plattform Inside eigene Profile, Aufgaben und Rollen, bleiben aber an begleitende Personen und definierte Workflows gebunden. Beispiele aus Redaktion, Support und Systemüberwachung zeigen, wie diese Zusammenarbeit praktisch organisiert wird und wo ihre Grenzen liegen.

Aufbau und Ausgangspunkt des Vortrags

Wax beginnt mit dem organisatorischen Hintergrund ihrer Arbeit und einem Beispiel für eine kaum genutzte KI-generierte Informationssammlung. Anschließend erläutert sie ihr Verständnis von Co-Creation, die Bedeutung von Plattformen und den Umgang mit rasanten technischen Veränderungen. Darauf folgen die technische Einbindung von Agenten sowie konkrete Anwendungsbeispiele. Zwischenfragen und die abschließende Diskussion vertiefen Qualitätsansprüche, Energieeinsatz, Personalisierung und menschliche Kontrolle.

Die Perspektive ist ausdrücklich die eines Startups: Die Anfang 2024 gegründete inside workspace GmbH aus München konzentriert sich auf Wissens- und Innovationsmanagement. Ihre Grundlagen seien über Jahre entstanden. Das Unternehmen bietet Softwarelösungen, berät Organisationen und unterstützt Teams dabei, Wissen so zu strukturieren, dass daraus Wirkung entsteht.

Als Zielgruppen nennt Wax Entscheidungstragende, die Wissen strategisch einsetzen wollen, Wissensmanagerinnen und Wissensmanager sowie Fachleute, die Wissen teilen und Resonanz erhalten möchten. Begrenzte Ressourcen machen die Zusammenarbeit mit Communities, Partnern und Kunden für das Unternehmen notwendig.

Vom Informationsangebot zur Zusammenarbeit

Eine zentrale Ausgangsfrage lautet, wie Informationen organisiert werden können, ohne zu ermüden, und stattdessen zum Denken anregen. Wax schildert dazu einen etwa ein Jahr alten Versuch: Ein Prompt sollte für unterschiedliche Kategorien und Teaminteressen jeweils zehn angesagte KI-Tools auflisten und deren möglichen Nutzen begründen.

Das Ergebnis bewertet sie als erstaunlich gut. Daraus entstand eine Navigation, über die beispielsweise das IT- oder Informationssicherheitsteam passende Beiträge aufrufen konnte. Trotzdem wurde das Angebot nach ihrer Darstellung kein einziges Mal angesehen. Eine regelmäßige Aktualisierung des Prompts erschien dem Team deshalb nicht als sinnvoller nächster Schritt.

Das Beispiel führt zu der Frage, ob KI für Menschen oder mit ihnen arbeiten soll. Wax möchte beides, betont aber den Unterschied: Ein gut aufbereitetes Ergebnis erzeugt noch keine gemeinsame Beschäftigung mit einem Thema. Für Co-Creation müssen Informationen zu Beiträgen werden, an die andere anknüpfen können.

Eine gemeinsame Wissensbasis als Fundament

Die eigene Plattform Inside dient sowohl dem Wissensaufbau als auch der Organisationsentwicklung. Sie verbindet Community-Aktivitäten mit Teamarbeit und bildet neben der Organisationsstruktur auch Kontakte und Partner ab. Diese können als Personen im System hinterlegt werden, ohne selbst einen Zugang zu nutzen. Ihre Expertise bleibt dadurch referenzierbar und auffindbar.

Inhalte werden Themen, Grundlagen und Quellen zugeordnet. Für Wax macht bereits diese Verortung ihre Bedeutung im Gesamtzusammenhang erkennbar. Zusätzliche Beziehungen zwischen Inhalten, Personen und Abteilungen erweitern den Kontext.

Als wichtigen Gestaltungsansatz nennt sie inhaltliche Verantwortung sowie ein themen- und domainbasiertes Rechtemanagement. Damit soll steuerbar werden, wohin Wissen fließt: nicht nur in Organisationsbereiche, sondern auch zu Interessen und relevanten Beteiligten.

Social-Collaboration-Plattformen ermöglichen aus ihrer Sicht Austausch unabhängig von Hierarchien und Abteilungsgrenzen. Sie machen Beiträge sichtbar und nachvollziehbar, schaffen Anerkennung und helfen, Wissen zu bewahren. Diese Eigenschaften bilden für sie die Grundlage gemeinsamer Wissensentwicklung.

Vertrauen und Resonanz statt bloßer Antworten

Wax versteht Co-Creation als das Schaffen von etwas Neuem, das niemand allein schaffen könnte. Voraussetzung sind gesicherte Grundlagen, vertrauenswürdige Quellen und ein gemeinsames Verständnis. Unterschiedliche Definitionen sollen nicht zu einem unbemerkten Aneinandervorbeireden führen.

Beiträge betrachtet sie als Impulse: Ideen, Beobachtungen und Erfahrungen sollen sichtbar, nachvollziehbar und miteinander verknüpft werden. Entscheidend ist die Resonanz, durch die gemeinsame Perspektiven entstehen.

Den starken Fokus auf den Chat-Modus sieht sie dagegen kritisch. Antworten könnten überzeugend klingen, während Quellen fehlen oder nicht geprüft werden. Wenn unklar bleibt, wie ein Beitrag entstanden ist, kann dies nach ihrer Beobachtung Vertrauen schwächen und das Zurückhalten von Informationen begünstigen. Für sie gilt: Ohne Vertrauen gibt es keine Co-Creation.

Daraus beschreibt sie eine Arbeitsweise, die inzwischen zu ihrem persönlichen Mantra geworden ist:

  • Vor einer neuen Aufgabe nach vorhandener Expertise und passenden Inhalten suchen.
  • Auf Bestehendem aufbauen und den Beitragenden Feedback geben.
  • Fehlendes ergänzen und Ergebnisse sichtbar veröffentlichen.
  • Weitere Interessierte ansprechen und Menschen mit Themen verbinden.

Diese Verknüpfung muss nicht ausschließlich digital erfolgen. Auch ein Telefonat oder ein Gespräch in der Kantine kann den nächsten Austausch auslösen.

Technischer Wandel: beweglich bleiben, den Kern schützen

Die KI-Entwicklung hat nach Wax’ Darstellung frühere Planungen des Unternehmens grundlegend verändert. Ein langfristig ausgearbeiteter Businessplan und eine vorgesehene Organisationsstruktur bieten unter diesen Bedingungen keine verlässliche Orientierung mehr. Sie betont deshalb die Notwendigkeit, kurzfristig reagieren zu können.

Low-Code und No-Code eröffnen vielen Beteiligten die Möglichkeit, Workflows und technische Komponenten zusammenzustellen. Wax findet das faszinierend, warnt aber davor, bei unübersichtlichen Zusammenhängen den Einfluss auf das Geschaffene zu verlieren. Mit jedem zusätzlichen Tool kommen eigene Entwicklungszyklen und Schnittstellen hinzu.

Als Gegenmittel nennt sie offene Standards, einfache Prinzipien und schrittweises Vorgehen. Ihre Absage an Perfektionismus wird durch eine Nachfrage aus der Automotive-Branche präzisiert: Gemeint ist nicht der Verzicht auf notwendige Qualität, sondern das endlose Weiterarbeiten am Code, das Entwicklung blockiert. Sie verortet diese Haltung in ihrer experimentellen, agilen Softwarearbeit und grenzt sie vom angesprochenen sicherheitskritischen Kontext ab.

Agenten: Schnittstellen mit Profil und menschlicher Begleitung

KI wird auf Inside zunächst als Werkzeug eingesetzt: für semantische Suche, ähnliche Inhalte sowie LLM-gestützte Recherche, Zusammenfassungen und Auswertungen. Wax nennt Elasticsearch, Postgres mit Embeddings sowie lokale und externe Modelle. Hintergrundprozesse liefern außerdem Statusinformationen für Dashboards.

Seit Januar 2025 experimentiert das Team mit Workflow-Engines wie Make und n8n. Agenten sind technisch zunächst Schnittstellen, die Anforderungen von Teams kapseln. Externe Workflows setzen Funktionen um und liefern Ergebnisse in die Plattform zurück. Unterschiedliche Lösungswege und Sprachmodelle können so ausprobiert werden, ohne den Plattformkern zu verändern. Interne Abnahme-Workflows dienen der Ergebnisprüfung.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt war die Ergänzung der Benutzerverwaltung um die Option „Agent“. Dadurch erhielt die Schnittstelle ein eigenes Profil und Benutzerkonto einschließlich API-Schlüssel.

Jeder Agent wird von einer menschlichen Person, einem Buddy, begleitet. Buddy und Team legen Aufgaben und Rollen fest. Das Profil beschreibt Tätigkeit, Sprachstil und Charakterdarstellung. Für Wax wird damit sichtbar, wer Ergebnisse liefert und wer Verantwortung trägt.

„Auf Augenhöhe“ durch Sichtbarkeit und geregelte Abläufe

Die Agenten besitzen Namen, Profilbilder, veröffentlichte Fähigkeiten und Interessen. Sie sind in der Organisationsstruktur verankert und im Chat ansprechbar. Ein Agent kann mehreren Teams angehören und dort unterschiedliche Rollen übernehmen.

Technisch beschreibt Wax eine minimale Schnittstelle mit Webhooks und REST API. Die Operationen GET, POST, PUT und DELETE dienen dem Abrufen, Anlegen, Aktualisieren und Löschen von Daten. Löschmöglichkeiten bestehen nur, wenn sie ausdrücklich zugelassen sind. Interne Workflows und ein Vier-Augen-Prinzip begrenzen entsprechende Aktionen.

Agentenbeiträge können denselben redaktionellen Abläufen unterliegen wie menschliche Beiträge. Einzelne Schritte werden protokolliert. Buddy und Team können Prompts und Regeln nachjustieren.

„Auf Augenhöhe“ meint in dieser Darstellung daher vor allem transparente Einbindung statt unsichtbarer Hintergrundarbeit. Wax verbindet damit nachvollziehbare Urheberschaft, Anpassbarkeit, geregelte Zuständigkeiten und dokumentierte Abläufe. Die Verantwortung bleibt menschlich.

Praxisbeispiele: Redaktion und technische Unterstützung

Linda in der Social-Media- und Webredaktion

Linda, Agent 004, ist im Bereich Sales und Marketing eingeordnet und unterstützt die Erstellung von LinkedIn-Inhalten. Die Redaktion plant Beiträge im Sprint und weist ihr gemäß Redaktionsplan Aufgaben zu. Linda liefert Ergebnisse zurück; das Team kommentiert, überarbeitet und entscheidet über Freigabe und Weiterverarbeitung.

Wax bewertet die bisherigen Ergebnisse positiv. Zugleich betont sie später, dass Linda eingewiesen werden muss und die Ansprache zur gewünschten Zielgruppe passen muss. Die Aufgabe wird also delegiert, nicht die redaktionelle Verantwortung.

Fred, Rudi und Pille als Trouble-Shooting-Trio

Fred übernimmt Aufgaben im Second-Level-Support. Er prüft eingehende Anfragen darauf, ob sie automatisch beantwortet werden können oder eskaliert werden müssen. Die vorgesehene First-Level-Agentin Ginger befindet sich noch im Onboarding; an dieser Stelle kommuniziert Fred deshalb noch mit einem Menschen.

Rudi arbeitet mit Statusmonitoring und Logfileanalyse. Er erkennt Muster und dokumentiert Auffälligkeiten. Pille überwacht Systemzustände wie CPU, Speicher und Prozesse und gleicht ungewöhnliche Werte mit Rudis Meldungen ab.

Die Zusammenarbeit soll verständliche, kontextbezogene Hinweise statt isolierter Fehlermeldungen erzeugen. Wax beschreibt das Zusammenspiel so: Die Technik beobachtet, strukturiert und meldet; Menschen interpretieren, entscheiden und gestalten Lösungen.

Auf eine Nachfrage zum Energieeinsatz stellt sie ausdrücklich klar, dass die Überwachung selbst keine KI sei. KI nutzt sie hier für die Sprachgenerierung. Meldungen können beispielsweise auf eine gewünschte Du- oder Sie-Ansprache abgestimmt werden. Dafür sieht sie lokale KI als ausreichend an.

Diskussion: Personalisierung und Grenzen der Delegation

Das Publikum hinterfragt die Gestaltung der Charaktere, insbesondere den weiblichen Namen der Redaktionsagentin und männliche Namen technischer Agenten. Wax räumt ein, dass ihre Vorstellungen von IT-Unternehmen die Gestaltung geprägt haben und dabei klassische Zuordnungen entstanden sind.

Die Personalisierung beschreibt sie als praktische Erleichterung. Namen und robotische Figuren helfen ihr, Aufgaben und Sprachstile zu entwickeln. Daraus leitet sie keine Aussage über ein Bewusstsein der KI ab.

Weitere Fragen betreffen emotionale Beziehungen und mögliche Überforderung durch schnelle Zuarbeit. Wax verweist auf veränderbare Vorgaben und die Buddy-Verantwortung: Wenn Ergebnisse inhaltlich, faktisch oder sprachlich nicht passen, müssen Menschen eingreifen.

Einen allgemein empfohlenen Agenten für private Alltagsaufgaben nennt sie nicht. Reiseplanung, E-Mail-Sammlung und Kalenderautomation bleiben für sie individuelle Entscheidungen. Wo menschliche Unterstützung gut funktioniert, möchte sie diese nicht ersetzen.

Schlussimpuls: Nachdenken, entscheiden und gestalten

Den größten Wert von KI sieht Wax nicht in der schnellen Antwort, sondern in Impulsen, die Nachdenken und Weiterdenken auslösen. Sie plädiert für offene und sichere Dialogräume, in denen Fehler als Chance anerkannt werden und Neues im Austausch entstehen kann.

Ihre Einladung ist, vorhandenes Wissen aufzugreifen, Ergebnisse sichtbar zu machen und Beziehungen zwischen Menschen und Themen zu stärken. So soll Wissen ins Unternehmen zurückfließen. Effizientere Prozesse sind dabei ein Mittel, um mehr Zeit für das zu gewinnen, was sie als entscheidend beschreibt: Denken, Entscheiden und Gestalten.

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