Gkc25-Vortrag: Prompting ist Kommunikation, nicht Kommando!
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| Prompting ist Kommunikation, nicht Kommando! | |
|---|---|
| Art | Vortrag |
| KnowledgeCamp | KnowledgeCamp 2025 |
| Speaker*in | Stefan Holtel |
| Organisation | PricewaterhouseCoopers |
| Track | Kuratierter Track |
| Datum | 24.10.2025 |
| Zeit | 10:00 bis 10:45 Uhr |
| Sprache | Deutsch |
| Aufzeichnung | Ka3PgD2lu38 YouTube |
| Im Programm | Programm |
| KI-Unterstützung | GPT-6.1 Sol |
Aus dem Veranstaltungsprogramm:
Dieser Vortrag selbst ist kein Foliensalat, sondern der kommentierte Chat mit einer KI. Er ist Behauptung und Beweis zugleich für die These, dass man Chatbots besser nicht befehligt, sondern sie zu Dialogpartnern erhebt. Ich zeige, warum intensive Interaktion mit Chatbots die Befehls-Prompts schlägt, wie man Halluzination, vorschnelle Generalisierung und Überanpassung durch Gesprächsführung eindämmt und wie aus präziser Steuerung des Gesprächsflusses bessere Recherchen, schärfere Analysen und kreativere Entwürfe entstehen. Nicht Prompt-Magie ist das Erfolgsrezept, sondern tiefgehende Kommunikationskompetenz: Führen statt Feuern, Explizites statt Implizites, Routinen statt Rezepte und weniger Risiken durch das Steuern des Chatbot-Dialogs.
Zusammenfassung
Stefan Holtel stellt Prompting als dialogische Tätigkeit dar: Gute Ergebnisse entstehen seiner Auffassung nach nicht durch einzelne, vermeintlich perfekte Befehle, sondern durch bewusst geführte Gespräche. In einem kommentierten Chat zeigt er, wie Quellen vorbereitet, Absichten geklärt, Antworten hinterfragt und Erkenntnisse auf konkrete Aufgaben bezogen werden können. Seine zentrale Unterscheidung lautet: Ein Chat lässt sich steuern, aber nicht wie ein herkömmliches Kommando vollständig kontrollieren. Damit rücken Kommunikationskompetenz, fachliches Urteilsvermögen und die Reflexion der eigenen Arbeit in den Mittelpunkt.
Gliederung und Aufbau des Vortrags
Der Vortrag ist als Chat-Walkthrough angelegt. Holtel beginnt einen neuen Chat mit ChatGPT-5 und erläutert seine Eingaben sowie die Antworten. Die englischsprachigen Prompts beziehen sich auf englischsprachige Quellen; die Kommentierung erfolgt auf Deutsch. Nach seiner Darstellung nutzt er keine besondere Programmierung oder speziell angebundene Umgebung.
Den Ausgangspunkt bilden zwei hochgeladene Bücher: Working Knowledge von Davenport und Prusak sowie Thinking for a Living von Davenport. Es folgen ein Paper über das Prompting-Verhalten von Nutzenden und ein Blogbeitrag von Jakob Nielsen über die Interaktion mit Computern. Anschließend kehrt Holtel zu den Büchern zurück und entwickelt Beispiele für eine dialogische Auseinandersetzung mit ihnen.
Der Aufbau verbindet Demonstration und Argumentation: Holtel führt das Vorgehen vor, für das er zugleich wirbt. Fragen aus dem Publikum erweitern die Diskussion um organisationsinternes Wissen, die Klärung von Absichten, Qualitätsfeedback und den Erwerb der benötigten Kompetenzen.
Quellen vorbereiten und das Gespräch strukturieren
Holtel eröffnet bewusst einen neuen Chat, statt einen bestehenden Gesprächsverlauf fortzusetzen. Die beiden Bücher lädt er unmittelbar am Anfang hoch. Dadurch möchte er mit konkretem Arbeitsmaterial arbeiten und nicht darauf angewiesen sein, was möglicherweise über diese Bücher im Trainingsbestand des Modells enthalten ist.
Vor der inhaltlichen Arbeit lässt er sich die bibliografischen Angaben nennen. Dieser kleine Prüfschritt soll klären, ob Mensch und Chatbot von denselben Dokumenten ausgehen. Danach fordert er eine präzise Lektüre und kündigt detaillierte Fragen an. Entscheidend ist für ihn, die erwartete Bearbeitungstiefe ausdrücklich zu benennen.
Auch Übergänge gehören zu seiner Gesprächsführung. Ein Dank oder der Hinweis, dass nun etwas Neues folgt, markiert abgeschlossene Arbeitsschritte. Holtel versteht diese Formulierungen nicht bloß als Höflichkeit, sondern als Strukturierung des Gesprächs. Seine Eingaben hält er gewöhnlich kurz und trennt logisch aufeinanderfolgende Schritte.
Als Hinweise auf eine intensivere Verarbeitung wertet er die längere Antwortzeit und die Rückmeldung des Chatbots, auch seitenspezifische Fragen beantworten zu können. Im Walkthrough behandelt er diese Beobachtungen als Indizien; eine gesonderte Prüfung der vollständigen Verarbeitung zeigt er an dieser Stelle nicht.
Warum eine allgemeine Zusammenfassung das Ziel verfehlen kann
Am Beispiel des Befehls, ein Buch zusammenzufassen, entwickelt Holtel seine Kritik an isolierten Prompts. Das hochgeladene Paper wird im Chat mit der Aussage zusammengefasst, dass einfache Prompts dominieren: Genannt werden 43,8 Prozent einfache Prompts und 18 Prozent mehrteilige Strukturen. Holtel nutzt diese Angaben als Ausgangspunkt, um die Fixierung auf gute und schlechte Einzelprompts infrage zu stellen.
Ein allgemeines „Summarize“ enthält aus seiner Sicht keine ausreichende Information über die lesende Person. Es bleibt offen, warum sie sich mit dem Buch beschäftigt, welche Entscheidung ansteht und welche Inhalte für ihre Arbeit relevant sind. Eine Zusammenfassung kann deshalb formal brauchbar wirken, ohne einen konkreten Nutzen zu haben.
Durch Nachfragen lenkt er den Chat auf drei Gesichtspunkte:
- Motivation: Warum soll das Buch gelesen oder bearbeitet werden?
- Anwendung: Welche Aufgabe, Entscheidung oder Dringlichkeit steht dahinter?
- Individuelle Relevanz: Welche Verbindung besteht zur eigenen Situation?
Daneben thematisiert er Verluste durch Verdichtung: Nuancen, Begründungen, Stil und die besondere Perspektive des Autors können verschwinden. Seine Kritik formuliert er zugespitzt, bis hin zum Aufruf, Abonnements von Zusammenfassungsdiensten abzubestellen.
In der Diskussion wird eine wichtige Differenzierung sichtbar: Wer wissen möchte, ob sich die vollständige Lektüre lohnt, hat bereits eine konkrete Motivation. Dafür lässt sich der Chat als Entscheidungshilfe einsetzen. Statt lediglich eine Zusammenfassung zu verlangen, könnte man sich Fragen stellen lassen, deren Antworten die Leseentscheidung unterstützen.
Vom Kommando zur intentionsbezogenen Interaktion
Mit Bezug auf den Blogbeitrag von Jakob Nielsen beschreibt Holtel einen Wechsel der Interaktionsparadigmen. In seiner Darstellung folgen auf die Stapelverarbeitung das kommandoorientierte Arbeiten und schließlich ein intentionsbezogener Zugang durch Chatbots.
Sein Schwerpunkt liegt auf den eingeübten Erwartungen an Software. Menschen seien daran gewöhnt, Befehle und Parameter zu lernen und damit vorhersehbare Ergebnisse auszulösen. Auch grafische Bedienoberflächen ordnet Holtel diesem Kommandomodell zu.
Die Chatoberfläche sieht für ihn äußerlich weiterhin vertraut aus: eine Eingabezeile, in die etwas geschrieben wird. Hinter dieser Oberfläche habe sich jedoch grundlegend verändert, was eine Eingabe bedeutet. Der Chatbot antworte auch dann, wenn Ziel, Voraussetzungen oder Bewertungskriterien unklar bleiben.
Daraus erklärt Holtel die Attraktivität von Prompt-Bibliotheken und vermeintlich magischen Formulierungen. Sie versprechen, das vertraute Befehlsmodell fortzusetzen. Seine Gegenposition lautet: Mehr Parameter ersetzen nicht das Gespräch darüber, was tatsächlich erreicht werden soll. Die Absicht muss zum Gegenstand der Interaktion werden.
Dialoge steuern und Unsicherheit schrittweise reduzieren
Dialogorientiertes Prompting bedeutet bei Holtel mehr als eine längere Folge von Eingaben. Der Gesprächsverlauf soll die anfängliche Unsicherheit schrittweise verringern. Dafür greift er den im Chat auftauchenden Begriff „Turn-taking Refinement“ auf: Durch wechselseitige Beiträge wird die Aufgabe genauer gefasst und die Antwort weiterentwickelt.
Nutzende übernehmen dabei zwei Rollen. Sie führen das Gespräch und beobachten zugleich auf einer Metaebene, ob es in die gewünschte Richtung läuft. Sie müssen erkennen, wenn Antworten ungenau, mehrdeutig oder unpassend werden.
Diese Verantwortung zeigt Holtel bereits früh im Walkthrough. Als der Chatbot ihn zum Fragenstellen auffordert, lehnt er ab und lädt stattdessen das nächste Dokument hoch. Die Vorbereitung auf Fragen ist für ihn nicht gleichbedeutend mit dem Beginn der Befragung. Den Zeitpunkt und den nächsten Arbeitsschritt bestimmt er selbst.
Seine zentrale Formulierung lautet: „Ich kann diesen Chat steuern, aber ich kann ihn nicht kontrollieren.“ Vollständige Kontrolle würde nach seiner Argumentation wieder dem alten Kommandomodell entsprechen. Gesprächsführung verlangt dagegen fortlaufende Orientierung und Korrektur.
Mit Büchern arbeiten statt nur Inhalte entnehmen
Für die Arbeit mit Büchern verwendet Holtel das Bild einer Dartscheibe. Wer ausschließlich fragt, was im Buch steht, richtet den Blick immer wieder auf den Mittelpunkt. Interessanter wird die Arbeit für ihn, wenn auch die umliegenden Felder betrachtet werden: andere Modelle, abweichende Positionen, heutige Anwendungsbedingungen und mögliche Leerstellen.
Ein Beispiel ist die Verbindung der beschriebenen Wissenskonzepte mit Nonakas Modell. Ein weiteres betrifft Produktivitätsprinzipien aus Thinking for a Living und ihre mögliche Anpassung an hybride Forschungsteams. Hier wird nicht bloß Inhalt wiedergegeben, sondern nach seiner Bedeutung für eine aktuelle Aufgabe gefragt.
Auch scheinbar einfache Vergleichsfragen können unausgesprochene Voraussetzungen enthalten. Wenn Mechanismen des Wissenstransfers mit „Knowledge Creation“ verglichen werden sollen, muss geklärt werden, welche Definition dieses zweiten Begriffs gemeint ist. Holtel macht damit deutlich, dass zusätzliche Begriffe und Bezugsrahmen nicht unbemerkt in die Antwort eingehen sollten.
Wissensmanagement an der Grenze zwischen internem und externem Wissen
Diese Überlegung überträgt Holtel auf das Wissensmanagement in Organisationen. Einen Chatbot ausschließlich auf interne Bestände anzusetzen, hält er für zu kurz gegriffen. Bessere Zugänglichkeit vorhandenen Wissens sei noch nicht der entscheidende neue Mehrwert. Dieser entstehe vielmehr dort, wo eigenes Wissen mit externen Perspektiven verbunden werde.
Aus dem Publikum kommt der Einwand, dass andere Organisationen ihr Wissen häufig nicht öffentlich teilen. Holtel antwortet mit dem Hinweis auf öffentlich verfügbare Best Practices und Methoden. Ihm geht es darum, interne Vorgehensweisen mit solchen Ansätzen zu vergleichen und unbekannte Methoden für die eigene Arbeit zu erschließen.
Das Aufräumen interner Wissensbestände bestreitet er nicht als legitime Aufgabe. Er unterscheidet es jedoch von der Frage, welche neuen Arbeitsweisen durch die Verbindung verschiedener Wissensbereiche möglich werden.
Eigene Tätigkeiten beschreiben und Antworten beurteilen
Die Frage „Was will ich?“ lässt sich laut Holtel nicht ohne Weiteres beantworten. In Trainings setzt er deshalb bei konkreten Tätigkeiten an: Was machen Menschen den ganzen Tag? Welche Bestandteile sind wichtig, wiederkehrend oder veränderbar? Erst auf dieser Grundlage lässt sich überlegen, wo ein Chatbot relevant sein könnte.
Auf den Vorschlag, die Absicht direkt mit dem Chatbot zu klären, betont er die Bedeutung der Tätigkeitsbeschreibung. Fachleute könnten ihre Arbeit hervorragend ausführen und dennoch Schwierigkeiten haben, darüber zu sprechen. Als Bezugspunkt nennt er Expert Briefing.
Fachwissen bleibt zugleich für die Bewertung der Antworten wichtig. Wer ein Modell oder einen Zusammenhang kennt, kann dessen Plausibilität eher einschätzen. Neulinge benötigen nach Holtels Einschätzung eine andere Begleitung, damit sie nicht unverstandene oder fehlerhafte Ergebnisse übernehmen.
Auf eine Frage zum fehlenden Feedback erklärt er, im Vortrag Schritte abgekürzt zu haben. Für Kundenarbeit wären zusätzliche Prüfungen nötig. Zustimmung sollte bewusst erfolgen; bei unzureichenden Antworten würde er eher zurückgehen und die Aufgabenformulierung überarbeiten.
Handlungsempfehlungen und abschließende Diskussion
Zum Abschluss verdichtet Holtel seine Vorstellung von „Prompting Literacy“ zu einem disziplinierten Dialog:
- Die eigene Absicht und Motivation ausdrücken.
- Bedingungen und Ausschlüsse klären oder sich dazu befragen lassen.
- Belege verlangen und genannte Quellen überprüfen.
- Antworten iterativ zu Entscheidungen weiterentwickeln.
- Wissen gemeinsam mit der KI in wirksames Handeln überführen.
Als relevante Kompetenzen nennt er kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation und Kollaboration. Chatbots seien ein konkreter Anwendungsfall für diese lange diskutierten „21st-century skills“. Statt sich auf technische Grundlagenkurse zu konzentrieren, empfiehlt er, Gesprächsstrukturen und Sprechakte zu betrachten.
Ein abschließender Publikumsbeitrag fordert passende Bildungsangebote und regt das Thema für ein künftiges KnowledgeCamp an. Holtel greift den Gedanken auf: Die Beschäftigung mit Chatbots führe nicht nur näher zu Computern, sondern zur Reflexion der eigenen Arbeit und Kommunikation.